Thinking

August 8, 2018

Über die Sinnhaftigkeit von Visualisierung

Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus: Warum verstehen unsere Augen manchmal mehr als unser Gehör?

Arg vereinfacht gesprochen, kann man sagen: Der Handel mit Kokain und Kanabis machte 2012 soviel Umsatz wie Apple im selben Jahr. Was erstaunlicherweise dieselbe Summe ist wie Prostitution und Amazon zusammen erwirtschaften. Wie ich auf diesen Vergleich komme? Hier ist die Datengrundlage, eine wilde Zusammenstellung aus Daten und Links basierend auf Zahlen in Zeitungsartikeln aus dem angesprochenen Zeitraum. Wäre ich allein aufgrund der Zahlen auf den Vergleich gekommen? Eher nicht. Aber David McCandless macht aus Daten Bilder, die Zusammenhänge erschließen und Vergleiche ermöglichen, die sich einem beim bloßen Studium der Zahlen nicht auf den ersten Blick erschließen.

Source: informationisbeautiful.net


Müsste meine obige Einsicht noch validiert werden, um erhellende Erkenntnisse daraus für die Weltwirtschaft zu ziehen? Selbstverständlich, aber als erster Beleg, dass die Visualisierung von abstrakten Daten zu neuen Einsichten führt, soll es genügen. Und wer noch nicht überzeugt ist, schaut sich das folgende Video an:

 


Die bildliche Darstellung hilft uns also Parallelen und Muster zu erkennen, setzt abstrakte Informationen in Beziehung zueinander und „strömt anders in uns ein“ als das gesprochene oder gelesene Wort.

Das ein Bild mehr als tausend Worte sagt, zeigt ähnlich eindrucksvoll das Projekt von Ann R. Rönnlund „Dollar-Street“. Hier blicken wir in Lebensrealitäten auf der ganzen Welt, geordnet nach dem zur Verfügung stehenden Einkommen. (Hier geht es zum passenden Ted-Talk.) Klickt man sich durch die verschiedenen Filter, erkennt man große Unterschiede, aber auch deutliche Parallelen. Eine spannende Erkenntnis: Hühner scheinen nicht im selben Maße vom Reichtum ihrer Besitzer zu profitieren wie Küchenbauer vom Einkommen ihrer Auftraggeber.

Source: DollarStreet (both)


Neben Dollar-Street erlaubt www.gapminder.org auch den visuellen Einblick in Themen wie die Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens-weltweit oder die Weltbevölkerungsentwicklung. Und wo wir gerade bei dem Thema Weltbevölkerung sind, wo gehen eigentlich unsere Spenden hin? Mit MyGoodness können wir uns und unsere Spendenentscheidungen evaluieren, indem wir spielerisch und optisch aufbereitet durch den Spendenvergabeprozess von $ 1.000 geleitet werden.

Source: mygoodness.mit

Ähnlich funktioniert dieser Artikel zum autonomen Fahren, der uns vor Augen führt, was es heißt möglichst wenige Leben zu gefährden. Selbstverständlich haben sich viele darüber schon Gedanken gemacht, wir haben Artikel dazu gelesen, Vorträge dazu gehört, was das alles aber in letzter Konsequenz bedeutet, wird dank dieser Veröffentlichung greifbarer.

Source: http://www.abc.net.au


Ja, auch unbequeme Themen können durch eine attraktive Darstellung gewinnen. Überall gibt es großartige digitale Arbeiten, die weit über eine Infographik hinausgehen. Zum Beispiel die Seite von Stephanie und Tony; als R2D3 „bebildern“ sie grandios das abstrakte Thema Maschinen Lernen. Und liefern damit ein weiteres Beispiel wie sich komplexe Inhalte visuell dargestellt auch dem Laien besser erschließen.

Alle bisherigen Beispiele zeigen, dass wir extrem viel Wissen und Informationen in wenigen Minuten aufnehmen können, wenn sie ansprechend visualisiert werden. Auch verhältnismäßig „irrelevante“ Einsichten drängen sich uns quasi auf. Darüber hinaus sind wir geneigter uns mit einem Thema zu beschäftigen, wenn es ansprechend aufbereitet ist. Diese Erfahrung machen wir auch häufig in Seminaren oder bei mehrtägigen Workshop-Sessions: Wenn uns Illustratoren begleiten, fällt es den Teilnehmern später leichter, die Inhalte anhand eines Bildes zu rekapitulieren statt anhand ihrer eigenen Mitschriften. Die Illustrationen setzen einen visuellen Anker, um den herum sich dann die Details entspinnen und die Erinnerung formt. Einzelne Bilder erzählen dann eine ganze Geschichte – wie hier:

Source: BusinessIllustrator.com


Und was lernen wir nun aus all dem? Vielleicht nehmen wir mit…

… dass es sich lohnt die Extra-Meile vor einem Meeting für die optische Aufbereitung der Inhalte zu gehen und die Kollegen nicht mit Buchstabenwüsten oder dem alleinigen Vortrag zu erschlagen (siehe hierzu auch „How to avoid death By PowerPoint“, David JP Phillips).

… dass wenn sich uns ein Thema nicht erschließt, wir vielleicht nur noch nicht die beste optische Darstellung dafür gefunden haben.

… dass wir uns dringend detaillierter mit der Diagramm-Funktion von Excel auseinandersetzen müssen, um uns selbst das Verstehen zu erleichtern.

Vielleicht fangen wir auch einfach selber an unsere Mitschriften visuell besser aufzubereiten, indem wir Sketch-Notes machen bzw. dies lernen – aber dazu mehr im nächsten Blogpost.

Stefanie Wibbeke

Head of Marketing

Stefanie is Head of Marketing at INDEED. She is responsible for spreading the word about us through digital and social marketing, partnerships, events, and more. As humanities scholar, she questions our work from a different angle and makes us explain projects with the human experience in mind. Residing in Hamburg by choice, she couldn’t live without her daily dose of crocheting.

The
Mensch


click here for more:
NEWS, BLOG, EVENTS & THINKING