Thinking

March 21, 2018

AI als Möglichmacher (I)

„Als dann werden der Blinden Augen aufgetan werden, und der Tauben Ohren geöffnet werden“ Jesaja 35, 5

Wo immer es um künstliche Intelligenz geht, sind die Apokalyptiker nicht fern. Deshalb fangen wir heute auch mit einem Bibelzitat an, dass perfekt die aktuelle Entwicklung beschreibt: Denn künstliche Intelligenz entwickelt sich aktuell zu einem wichtigen Baustein der Inklusion und zwar in der soziologischen, nicht ideologisch gefärbten Form, die Menschen ungeachtet ihrer Befähigung zu einer akzeptierten, gleichberechtigten und selbstbestimmten Teilhabe an der Gesellschaft einlädt.

Um Inklusion ringen aktuell rund 36 Millionen blinde und 70 Millionen taube Mitmenschen weltweit (Quelle: WHO). Dazu kommt eine Vielzahl an Menschen, für die der Einkauf im Supermarkt oder der Besuch eines unbekannten Restaurants aufgrund diverser Einschränkungen eine Herausforderung ist. AI kann hier Barrieren überwinden und Unabhängigkeit fördern. Ein paar Beispiele wollen wir im Folgenden näher betrachten.

Seeing AI“, das Vorzeigeprojekt von Microsoft (kostenfrei erhältlich), unterstützt zum Beispiel bei der Interpretation visueller Eindrücke jeglicher Art. Währungen werden optimal erkannt, Szenarien detailreich verbalisiert und selbst die Mimik einzelner Personen entschlüsselt. Großes Potential schlummert hier auch für diejenigen, die sich mit dem Erkennen von Emotionen schwertun. In der Anwendung zeigte die App allerdings einige Schwierigkeiten mit dem Erkennen des Alters: Brillenträger wurden grundsätzlich älter gemacht und auch ein langer Bürotag verfälschte die Interpretation des Alters stark. Wobei man sagen muss, ich fühlte mich an dem Tag ungefähr so alt wie die App vorschlug. Exzellent funktionierte dafür das Erkennen von Oberflächentexturen und Schrift. Beeindruckend war zudem die Geschwindigkeit, mit der aufgenommene Objekte analysiert und verbalisiert wurden.

Auch Aira, ein auf Google Glasses basierendes Serviceangebot für Menschen mit eingeschränkter oder nicht vorhandener Sehfähigkeit, ist ein gutes Beispiel, wo die Reise hingeht. Aktuell wird ein Großteil der Services über menschliche Agents abgebildet, die via Augmented Reality Dashboard die Umgebung des Nutzers in Echtzeit wahrnehmen und für ihn oder sie interpretieren und verbalisieren – ähnlich der „Be my Eyes“ App. Aber mit „hey Chloe“ TM (Pressemeldung vom März 2018), einer künstlichen Intelligenz, die Medikamente erkennen kann, wird bereits ein Teil der menschlichen Übersetzungsleistung/Reizverarbeitung durch Technik abgebildet. Ebenfalls ein gutes Beispiel für die aktuelle Entwicklung, die bei der technischen Weiterentwicklung nicht nur den gesunden, gut situierten Hipster fokussiert, ist die sign‘n App. Sie übersetzt das geschriebene oder gesprochene Wort in Gebärden und sorgt so für schnelle Verständigung.

Sämtliche Applikationen und Services, die vielerlei Einschränkungen kompensieren, sind ein wichtiger Schritt in Richtung Inklusion und mehr Selbstbestimmung. Wie bereits John Maeda just bei SXSW in Austin feststellte: “When you are inclusive, there’s a huge design opportunity to make better products, which leads to more successful business.”

Überhaupt scheinen Tech-Firmen sich leichter mit Inklusion zu tun. Achte man nur auf Daisy-Abspielprogramme oder Schrifterkennung (OCR), die aus Schriftstücken Textdateien machen und diese per Screenreader-Stimme oder verbundener Bluetooth-Braillezeile wiedergeben. Dasselbe Brett bohren auch awardprämierte Ideen wie die Braille Smartwatch. Barrierefreiheit ist bei der Entwicklung vieler Apps und anderer technischer Anwendungen heute Common Sense; getreu unserem Motto „Human-first in Innovation“.

 

Photo by Rhendi Rukmana on Unsplash

Stefanie Wibbeke

Head of Marketing

Stefanie is Head of Marketing at INDEED. She is responsible for spreading the word about us through digital and social marketing, partnerships, events, and more. As humanities scholar, she questions our work from a different angle and makes us explain projects with the human experience in mind. Residing in Hamburg by choice, she couldn’t live without her daily dose of crocheting.

The
Mensch


click here for more:
NEWS, BLOG, EVENTS & THINKING