Event

October 23, 2017

Putting back the ART in AI

Heute geht es um Kunst und künstliche Intelligenz, um große Ideen und ihre Umsetzung, um Rückschläge, Neufindung und die Essenz einer Erfahrung – oder einfacher: um unser Projekt fürs House of Beautiful Business Anfang November in Lissabon.

Im Gegensatz zum Workshop-Thema zur House of Beautiful Business Konferenz war und ist unser Kunstprojekt eine deutlich schwerere Geburt. Ausgangspunkt war die hehre Vorstellung, dass wir mit den durch AI verfremdeten 3D Scans der Konferenzteilnehmer Rodins Höllentor nachbauen. Im Kontext der Diskussion um Grenzen und Möglichkeiten der künstlichen Intelligenzentwicklung wollten wir die kreativ künstlerischen Potentiale beleuchten, was eine einzigartige Eigenschaft des Menschen und als solche zu bewahren ist. Es ging uns also weniger um die Kunst als solche, als um das Hinterfragen der Menschlichkeit im Zeitalter der Maschinen.

Liest sich gut? Hört sich simpel an? Glaubt uns, letzteres ist es nicht.

Wie bei jeder großen Idee steckt der Teufel im Detail: Während sich unsere Kollegin MINJOO CHO, Creative Interaction Technologist bei INDEED, durch die Tücken des 3D Scannings und Processings kämpfte, versuchten wir die passenden 3D Drucker zu finden, die schnell genug und im Dauerbetrieb arbeiten können, um aus individuellen, erst auf der Konferenz erzeugten Daten ein Höllentor zu bauen. Erschwerend hinzukam (im wahrsten Sinne eines mehrere Hundertkilo-Druckers), dass wir während der Woche auch gerne noch an verschiedene Lokalitäten der Pop-up-Community umgezogen wären. Um eine lange Geschichte voller Rückschläge abzukürzen: Noch vor wenigen Tagen saßen wir vor unserem dreidimensionalen, testweise ausgedruckten Poeten (siehe oben), der Rodins Höllentor überragt und eigentlich auch beleuchtet über unserer Installation wachen sollte, ohne in der Kürze der Zeit lieferbare Drucker und mit dem unbestimmten Gefühl, dass unsere große Idee gar nicht so großartig war. Allein ein Gedanke konnte uns ein wenig trösten: Hätten wir vor zehn Jahren davon gesprochen, dass wir mal eben live das 3D Modell eines bis dato unbekannten Konferenzteilnehmers erstellen, um es passgenau in einer Kunstinstallation zu verwenden… Man hätte herzlich gelacht. Heute ist die Idee immerhin in theoretische Nähe, wenn auch nicht in die praktische Umsetzung gerückt.

Wir gingen also nochmal einen Schritt zurück – wie man das in agilen Prozessen so gerne macht, wenn der erste Prototyp durchgefallen ist – und besannen uns auf die Erfahrung, die wir den Konferenzteilnehmern bescheren wollten: Das Erlebnis mitanzusehen, wie Technik aus dem menschlichen Profil ein digitales Abbild und mittels Verfremdung eine eigene Ästhetik formuliert. „Meine Arbeit lotet die Grenzen zwischen den drei Polen „Design x Technology x Humanity” aus und zeigt, welch künstlerisches Potential im Generative Code schlummert“, fasste Minjoo die Grundbegeisterung für das Projekt in einem Meeting zusammen. Und steckte uns damit alle an.

Nachdem wir uns von der Nachahmung Rodins und den damit verbundenen Druckschwierigkeiten losgesagt hatten, konnten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und mittelbar sowie planvoll unser Ziel erreichen. Ganz im Sinne des griechischen Wortes τέχνη (Techne) – aber das führt hier vielleicht zu weit.

Denn es geht nicht darum, die Kunst neu zu erfinden oder Künstler überflüssig zu machen, sondern um Mittel und Wege, mit denen Menschen sich neue ästhetische Optionen erschließen können dank AI. Schließlich stellte schon die New York Times im August so treffend fest „A.I. isn’t just creating new kinds of art; it’s creating new kinds of artists.“ Wir möchten im House of Beautiful Business in den Diskurs gehen, Potentiale von AI aufzeigen und die Auseinandersetzung anregen mit einer Technik, die unsere Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten u.U. nachhaltig verändern wird. Ob zum Schönen und Guten oder Abstoßendem und Schlechten; diese Fragen werden wir mit den Teilnehmern der Konferenz diskutieren, während wir sie scannen, ihr Abbild in 3D Mesh-Daten konvertieren, getriggert durch die Sentiment-Analyse ihres sprachlichen Inputs die Verfremdung einsetzt und am Ende des digitalen Prozesses der künstlerische Ausdruck dessen steht, was Kunst an künstlicher Intelligenz ausmacht.

Wer sich für die technische Seite des Projekts und natürlich für den Output interessiert, schaut regelmäßig auf unserer Tumblr-Seite vorbei. Dort geben wir mehr Insights zum Projekt und laden sukzessive die individuellen Poster hoch. Vorbeischauen lohnt sich!

Stefanie Wibbeke

Head of Marketing

Stefanie is Head of Marketing at INDEED. She is responsible for spreading the word about us through digital and social marketing, partnerships, events, and more. As humanities scholar, she questions our work from a different angle and makes us explain projects with the human experience in mind. Residing in Hamburg by choice, she couldn’t live without her daily dose of crocheting.

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