Wie viele der neuen, durch aberwitzige Technologien ermöglichten Funktionen Ihres Smartphones, ihres Backofens oder E-Autos nutzen Sie? Wie oft haben Sie erlebt, dass Ihnen durch eine Technologie etwas versprochen wurde, was sich im Moment der Nutzung als selbsterfüllende Prophezeiung entpuppte? Und ist es nicht so, dass wir gerne überschätzen was sich durch Technologie in den nächsten 2 Jahren alles radikal verändern wird, um zeitgleich die Veränderungen der nächsten 10 Jahre zu unterschätzen? Deshalb ist nicht die Antwort wichtig, sondern, dass wir die richtige Frage stellen. Die Frage nach dem Warum ist der Ursprung für Veränderung; das Warum selbst ist der Kompass, mit dem eine Transformation zum Erfolg führt. Wenn wir also das Warum oder Wozu nicht beantworten können, ist es unmöglich langfristig das Thema Smart Buildings über Jahre kontinuierlich und strategisch aufzubauen und in der Gesellschaft zu verankern.

Wir kennen die Herausforderungen der nächsten 30 Jahre nur zu gut. 2015 haben in Paris praktische alle Staaten unterschrieben, Maßnahmen zu ergreifen, um die globale Temperatur maximal 2 Grad über dem vorindustriellen Zeitalter zu halten. Um dies zu gewährleisten, müssen wir bis 2050 ein Gleichgewicht zwischen Emissionen und der Aufnahme bzw. Einlagerung von CO2 erreichen. Stichwort globale Klimaneutralität.

Wenn wir also wissen, dass Gebäude im Schnitt zwischen 50 und 150 Jahre halten und ein Viertel aller Emissionen in Deutschland Gebäuden zuzuordnen sind (Klimaschutzbericht des Bundesumweltministeriums 2019), müssten wir dann nicht heute alles daransetzen, um Erstens die Klimakatastrophe abzuwenden und zweitens für die Zeit nach 2050 wortwörtlich die Grundlage zu bauen, um ein menschenwürdiges Leben im Einklang mit dem globalen Ökosystem zu ermöglichen? 

Warum also Smart Buildings? Erstens, um den größtmöglichen Beitrag zur Klimaneutralität in den nächsten Jahrzehnten zu ermöglichen. Zweitens, weil wir wissen, dass es eine Zeit danach gibt. Eine Zeit, in der insofern vieles anders sein wird, als dass wir Menschen zum Erreichen der Klimaziele unser Verhalten mit eben diesen smarten und technologisch raffinierten Gebäuden verändert haben werden. Wie das Verhalten sein sollte bestimmt nicht die Technologie von morgen, sondern unsere Absichten heute.

Weil die Zeit drängt und wir wissen, wie lange es dauert, um Städte und Infrastrukturen zu verändern, müssen wir folgende drei Faktoren beachten:

Wir müssen extrem anders denken und maximal schnell agieren.

Dabei dürfen wir uns nicht im Detail verlieren, sondern systemisch und mit maximaler Weitsicht agieren. Wenn wir uns zum Beispiel allein darauf konzentrieren, für den Individualverkehr in öffentlichen Gebäuden oder Bürokomplexen E-Ladestationen zu forcieren, verlieren wir aus dem Blick, dass sich auch der Individualverkehr verändern muss und wird. Dabei werden wir in den nächsten 30 Jahren garantiert etliche Technologieschleifen drehen. Uns pauschal nur auf die eine Innovation festzulegen, wird verhindern, dass wir uns dem Warum, dem wirklich smarten, sprich cleveren Smart Building, schnell genug annähern.

Die Zukunft kann nur gemeinsam gewonnen werden.

Wir müssen vielschichtige Ökosysteme etablieren und in offenen Netzwerken arbeiten, in denen alle fair partizipieren können. Wo heute konkurrierende Geschäftsmodelle vorherrschen, müssen wir Plattformen schaffen, wo der Datenaustausch und deren Nutzung ganz natürlich und barrierefrei ist. Nur dann können wir neue Technologie im Sinne des Warums nutzen und weiterentwickeln.

Smart Buildings müssen sofort Teil der Circular Economy werden.

Ob Sanierung im Bestand oder die Entwicklung neuer Quartiere: Der zirkuläre Umgang mit Ressourcen ist entscheidend zur Erreichung der Klimaziele. Smart Buildings liefern in der Entstehung, der Nutzung und dem Rückbau essenzielle Daten und werden so auf Grund systemischer Daten Funktionen ermöglichen, die der Gesellschaft, der Wirtschaft und dem Planeten langfristige dienen.

Featured Image © Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V.

Karel Golta

Karel J. Golta

CEO + Founder

Karel, CEO und Gründer von INDEED, ist Schweizer, aber alles andere als neutral. Wenn er nicht gerade mit Kunden „the next big thing“ plant, kann man mit ihm kontrovers über den Wert von Design diskutieren.

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