Thinking

April 17, 2018

Wir verlieben uns. Dann treffen wir uns.

Wie Technologie uns verändert. Und wie wir die Technolgie verändern.

Fast jedem persönlichen Kontakt geht ein virtueller/digitaler Austausch voran: sei es die E-Mail vor einem Meeting oder die Buchungsbestätigung vor Ihrer Ankunft im ausgesuchten Domizil. Viele sammeln auch die Erfahrung, zu einem ersten Date mit jemandem zu gehen, der als "Perfect Match" erscheint. Egal, ob es um ein Event, eine Unterkunft oder eine Person geht, wir werden angezogen von einem digitalen Profil. Wir verlieben uns allerdings nicht in das, was wir entdeckt haben/was dort gezeigt wird, sondern in eine Idee, die wir in unserer Vorstellung erschaffen. Leider sind wir oft frustriert und über die Maßen enttäuscht, wenn dieses Bild nicht der Realität entspricht.

WIE TECH UNS VERÄNDERT

Es heißt "Tenderisation", das Phänomen, das aus dem geboren wurde, was wir People-Centered Innovation nennen. Die Realität? “Swipe right, match, date, f**k, unmatch, rematch, repeat”. Das sind nicht meine Worte, sondern die von Tinder Schöpfer, Jonathan Badeen. Wie funktioniert es? Wische nach links, wische nach rechts. Einfach! Sie müssen nur eine Entscheidung treffen; Magst du ihn/sie oder nicht? Es gibt keinen Mittelweg, sobald ein Profil „dismissed“ wird, ist es weg. Tinders einfaches und effizientes System ist/war bahnbrechend im digitalen Match-Making. Aber lasst uns einen Schritt zurückgehen. Was ist Tinders Absicht? Wir alle wissen, dass es sich um eine Dating-App handelt, jedoch können Nutzer, insbesondere während der Lebensdauer eines Produkts/Services, den Hauptzweck eines Dienstes vollständig ändern.

Führt dieses System zu einer entkoppelten, vereinzelnden Gesellschaft? Nun, das ist eine individuelle Entscheidung. Ob Sie ein Teil der Generation Y, X oder Z (oder sogar K) sind, es ist Ihr Leben und wir können nicht immer die Schuld für das, was um uns herum passiert, bei anderen oder der Technik suchen. Technologie ist ein Werkzeug, keine Person. Es ist ein Support-System mit dem primären Ziel, Menschen zu helfen, bessere Leistungen zu erbringen. Tinder entstand als neue Art der digitalen Interaktion. Die Leute mussten es kennenlernen, bevor sie ihm einen angemessenen Wert geben.

UND WIE WIR TECH VERÄNDERN

Stellen wir uns vor, wir erhalten oder kaufen zum Beispiel eine neue Sonnenbrille. Sobald wir die stolzen Besitzer sind, tragen wir sie jeden Tag – jeden verdammten Tag, egal ob Regen oder Sonnenschein. Wir tragen sie, weil sie neu ist und dem alltäglichen Leben einen undefinierbaren Wert hinzufügt, den wir nicht vollständig beziffern können.

Aber was passiert als nächstes? Man gewöhnt sich an die Brille und nach ein paar Monaten verliert sich dieselbe Sonnenbrille in den Urlaubskoffern. Vergessen für eine Weile kramt man sie viel später hervor, um als Abwechslung zu neuen Lieblingsbrille getragen zu werden.

Dasselbe gilt für Tinder, Snapshat und andere. Zuerst waren sie neu, im Laufe der Zeit begannen die Leute, sie zu adaptieren und jetzt sind sie allgegenwärtig und in ständiger Nutzung. Das ist der erste Teil der Kurve. Eine langfristige Analyse wird uns die Wahrheit sagen: Wie werden sich diese Dienste weiterentwickeln, nachdem ihr Service/ihr innovativer Charakter die Norm ist? Nur die Zeit wird es zeigen, aber eines ist sicher, es wird ein schmerzloser Übergang sein, denn wenn du wischst, wartest du nicht, du gehst direkt zum nächsten weiter. Spielerisch ermöglicht uns die App mit einem anderen Benutzer zu chatten, ohne das Gefühl der Zurückweisung zu erleben. Benutzer leiden nicht. Wir alle fühlen uns auf Tinder mächtig!

Warum ist Tinder gerade so erfolgreich? Tinder verbindet mühelos Menschen. Es bringt Menschen mit dem gleichen Ziel zusammen. Es ist die Dating-App, die am ehesten mit dem realen Leben verknüpft ist. Das System schafft keine neue Erfahrung sondern verbessert eine reale Erfahrung. Es synthetisiert die analoge Erfahrung des Sehens und Ansprechens auf wenige Schritte. Mit der Zeit ist es wahrscheinlich, dass die User den Zweck beeinflussen und verschieben werden, aber im Moment konzentriert sich Tinders Team auf die Befriedigung der primären Bedürfnisse seiner User. Die Frage ist also: wonach suchst du wirklich?

Erstmals veröffentlicht in englischer Sprache auf LinkedIn, 10. April 2018

Foto von Jez Timms

Tommaso Martucci

Innovation & Design Manager

Tommaso Martucci is an Innovation & Design Manager at INDEED. He is specialized in Service, Ux/Ui & Innovation, with a background in Product Design and Workplace Strategy. Milan, London, Shanghai, Belgrade or Shenzhen are just some locations, where he proved his design versatility. Feel free to join his reading list by following #timeforreading on – actually – every known social media channel.

The
Mensch


click here for more:
NEWS, BLOG, EVENTS & THINKING