Thinking

December 17, 2020

Wie Design die Welt verändern kann

Eine Reflektion über die potenzielle Wirkung von Zero Emission Design als Tool, um die größten Herausforderungen unserer Zeit zu lösen.

Großartiges Design entsteht in dem Bestreben, große Probleme zu lösen. Und hier sind wir nun im Jahre 2020 und müssen uns mit den größten Herausforderungen beschäftigen, die es bis dato auf dieser Welt gab. Covid-19, der Klimawandel, der Verlust der Artenvielfalt und eine zunehmend gespaltene Gesellschaft sind nur ein kleiner Auszug davon... aber das wirft die Frage auf: Wie werden wir diese Herausforderungen lösen? Was werden wir tun? Könnte Design die Lösung des neuen Zeitalters sein?

Bevor wir uns nun zu Superhelden ernennen und unsere Umhänge umschnallen, wollen wir etwas tiefer in (einige) Wertebeiträge eintauchen, die Design zu unserem aktuellen Klima beitragen kann (und bereits beiträgt):


DESIGN VERÄNDERT DENKWEISEN UND VERHALTEN


Um ein Verhalten zu ändern, muss sich zunächst die Denkweise ändern. Um eine Denkweise zu ändern, muss es ein Lernen geben. Um etwas zu lernen, muss es einen Auslöser geben. Die Art und Weise, wie wir mit etwas interagieren, sei es ein Produkt, eine App oder ein physischer Ort, wird durch die Art und Weise bestimmt, wie das Gehirn auf Reize reagiert. 

Dies kann ein wirklich unglaubliches Werkzeug sein, vor allem, wenn Design absichtlich für etwas Gutes eingesetzt wird. Patagonia ist ein großartiges Beispiel dafür, wie eine Marke Design für etwas Gutes einsetzen kann. Die eher offensichtliche Begründung hierfür liegt in der Langlebigkeit ihrer Produkte und den verantwortungsvollen Einsatz von Materialien. Allerdings hat Patagonia darüber hinaus die Markenbekanntheit mit mutigen Markenkampagnen genutzt und damit Konsumenten zu Veränderungen aufgerufen. Dieser zweite Teil hat vermutlich einen noch größeren Einfluss. 


Leider sehen wir häufiger, dass große Marken einen weniger achtsamen Ansatz verfolgen. Das kann auch bei einem der wohl wertvollsten Unternehmen der Welt oftmals beobachtet werden: Apple. Abgesehen von Nachhaltigkeitsbemühungen in Bezug auf den Ressourcenverbrauch und die CO2-Emissionen entlang des Produktlebenszyklus, hat die Marke sich bisher für einen kurzsichtigen (oder strategischen) Ansatz für ihre Produktentwicklung entschieden – und das bereits seit mehreren Jahren. Apple schafft es, die Nachfrage für das nächste, bessere Produkt in einem Rhythmus von etwa zwei Jahren aufrecht zu erhalten, macht die Reparierbarkeit ihrer Produkte schier unmöglich oder unglaublich teuer und bringt es schlussweg nicht fertig mit anderen Technologien kompatibel zu werden – und das waren erst ein paar der Mängel des Designs. Dieses Vorgehen hat bis dato für den Gewinn der Marke allerdings wunderbar funktioniert.


Aber da wir die Lasten des Klimawandels global teilen, ist das, was für Apple großartig ist, nicht für alle großartig... und das ist ein riesen Problem. Diese kurzfristige Herangehensweise an Design ist weder nachhaltig, noch ist sie relevant, wenn die Welt in Flammen steht. 

Wenn das Erreichen planetarischer Ziele ein Umdenken erfordert, müssen wir die Lösung von Problemen vermutlich ein wenig systemischer angehen. Der Verstand der Menschen ist nur so gut wie die Reize, denen sie ausgesetzt sind. Das muss sorgfältig berücksichtigt werden. Lassen Sie uns die Möglichkeiten etwas zu bewirken überdenken und dabei Behavioral Design berücksichtigen.


DESIGN IDENTIFIZIERT MÖGLICHKEITEN


Eine weitere vorteilhafte Eigenschaft des Designprozesses ist das Frontend. Und nein, natürlich meine ich damit nicht das Gesicht des Designs. Ich meine die Dinge, die vor der Ausführung des Designs stattfinden. Die Recherche und Strategie des Designprozesses spielen eine unglaublich wichtige Rolle für das Ergebnis. Leider wird die Relevanz dieses Teils oft übersehen. Doch manchmal sind die Potenziale zur größtmöglichen Wirkung nicht sehr offensichtlich. Der gesamte Lebenszyklus einer Sache muss berücksichtigt werden, um den besten Weg wählen zu können. Übrigens ist diese Wirkungsanalyse für alle Komponenten der Triple Bottom Line relevant: Mensch, Planet und Profit. 

So könnte beispielsweise der größte CO2-Ausstoß einer Wasserfalsche bereits beim Transport des Rohmaterials zur Produktionsstätte entstehen. Während die Neugestaltung der Verpackung ebenfalls große Auswirkungen haben könnte (vor allem, wenn man kleinere Änderungen in großem Maßstab berücksichtigt), könnte auch die Logistik ihrer Herstellung neu bewertet, und somit neu gestaltet werden. Das Geschäft mit dem Design hat das Potenzial, genauso schön zu sein wie die Dinge, die es produziert.

Das bringt mich auch schon zu meinem nächsten Punkt:

DESIGN SCHAFFT ÖKOSYSTEME DES WANDELS 


Wer sagt denn, dass Design beim Produkt oder gar bei der Organisation selbst stoppt? Wie das berühmte Sprichwort sagt: „In Zahlen liegt die Kraft“ – die größte Chance etwas zu bewirken, besteht darin, ein ganzes System zu beeinflussen und in Richtung einer schöneren Zukunft zu verändern. Während es vielleicht etwas weniger offensichtlich ist, in einem System mit anderen Lieferanten, Mitarbeitern, Kunden und vielleicht sogar den Konkurrenten zu denken, kann dieses Denken enorme Auswirkungen (aber auch große wirtschaftliche Vorteile) bieten. 

Wir als INDEED Innovation glauben fest daran, dass Unternehmen die Kraft für das Gute sind. Auch glauben wir daran, dass wirklich jedes Unternehmen dazu fähig ist, ein großartiges eigenes Ökosystem zu entwickeln. Aber natürlich braucht es dazu die Unterstützung von gut konzipierten Möglichkeiten, angetrieben von Menschen mit der richtigen Einstellung. All diese Elemente des Wandels sind miteinander verknüpft und müssen unbedingt berücksichtigt werden. Wenn sie nicht berücksichtigt werden, wie soll dies denn dann manifestiert werden? 

Die Herangehensweise und die Methodik von Design können in vielen unterschiedlichen Maßstäben und in jeglichem Kontext eingesetzt werden. Dies bietet großen Optimismus (und auch große Chancen) für Zero Emission Design. Sofern die Politik beginnt, sich für hohe Strafen für den CO2-Verbrauch auszusprechen, werden es schlussendlich die gut durchdachten, zirkulären Produkte, Organisationen und Ökosysteme sein, welche die Herausforderung unserer Zukunft meistern werden. 

Was heute noch als zu berücksichtigende Wahl (und Investition) gesehen wird, muss zu einer Notwendigkeit werden. Was einst als hohe Anlaufkosten betrachtet wurde, muss nun als langfristige Investition gelten. 


Menschen verändern sich. Gesellschaften verändern sich. Organisationen verändern sich. Ökosysteme verändern sich. Unabhängig davon, an welcher Stelle des Wandels Sie sich aktuell befinden, ist es genau jetzt an der Zeit sich zu verändern. Es ist Zeit für Zero Emission Design.

Sarah Crooks

Community & Development Lead

Sarah is the Community & Development Lead at INDEED bringing a global perspective from her experience in the United States, Spain, England & Germany. As a self-proclaimed curious mind, she believes everyone (and everything) has a story. Her curiosity has lead her on many adventures both globally and locally, from hiking remote corners of the world to discovering urban cafés armed with a good book.

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