Thinking

June 3, 2015

Smart Packaging

Wo bitte ist der Wert beim Smart Packaging?

Internet of Things (IoT), Industrie 4.0 und Smart Packaging (SmP) sind in aller Munde. Kein Unternehmen, das sich damit nicht irgendwie beschäftigt. Und wie bei einem anderen Hype, den wir vor 17 Jahren erlebten, nämlich dem Internet, weiß Marketing zwar nicht, wie es funktioniert, aber Hauptsache „Werbung“… R&D ist natürlich klar, was technisch geht, nutzt all das aber nur, um das eigene Leben einfacher zu machen.

 

Willkommen in Europa im Jahr 2015. Noch nie hatten wir so viel Wissen und technische Möglichkeiten wie heute. In Sachen IoT – und Smart Packaging ist für mich ein Teil davon – wird für das Jahr 2030 das Blaue vom Himmel versprochen. Doch wie bei allen disruptiven Technologien gilt: Zu wirklichen Innovationen werden sie erst, wenn sie einen (Mehr-)Wert für die Masse haben. Und in Sachen Verpackung rede ich da von uns Endkunden, Anwendern, Käufern. Die meisten heute erhältlichen Smart Packaging-Anwendungen wie RFID, Printed Electronics etc. sind nützlich und wichtig für den Handel, die Logistik und den Hersteller. Sie helfen, Daten zu sammeln und, ja, sie sichern auch Qualität. Aber wo ist der Wert für mich persönlich? Das Marketing möchte mittels SmP mit dem Kunden eine „1:1-Beziehung“ eingehen und ihm „maßgeschneiderte Lösungen“ anbieten. Will ich das und wenn ja, warum? Was springt für mich raus?

 

Die absolut wichtigste Frage, die sich Markenhersteller und der LEH in Sachen SmP stellen müssen: Wo unterstützt SmP den Menschen positiv bei seinen heutigen und zukünftig wichtigsten Bedürfnissen und Herausforderungen? Konkret: Wie kann ich für ihn das Leben einfacher machen, wie kann ich das gesteigerte Bedürfnis nach Individualität befriedigen, wie kann ich Genuss ohne Reue steigern und mehr Liebe und Freude verbreiten? Das Geniale ist doch, dass durch das „Smart“-werden von Verpackungen auch der Mehrwert des verpackten Produktes für den Käufer potenziert wird.

 

Wenn in Zukunft alles mit allem vernetzt kommuniziert, liegt der Wert nicht in der Verbindung oder der Datensammlung, sondern in dem, was für mich an relevanten neuen Möglichkeiten erschlossen wird. Klassisches Zukunftsszenario: Die Smartwatch sammelt über die Food-Verpackung und meine Handbewegungen automatisch alle Kalorien, die ich über den Tag esse, und empfiehlt mir, am Abend 1 Stunde zu joggen, um die Bilanz zu halten. Daten werden gesammelt und erst im Anschluss folgt die Konsequenz meines Handelns. Richtig müsste es aber so laufen: Ich möchte 2 Kilo abnehmen und dabei unterstützen mich meine Smartwatch und Smart Packages automatisch, indem sie mir beim Einkauf, beim Kochen und bei jeder Mahlzeit zur richtigen Entscheidung mit Genuss aber ohne Reue verhelfen.

 

Im Land der Innovationen müssen wir umdenken. In Sachen SmP müssen wir den Konsumenten in den Mittelpunkt setzen und Werte gestalten, nicht Datenmengen. Ich bin überzeugt, dass dies nur im Schulterschluss zwischen Designern, Industrie und Handel gelingt. Designschaffende sind dafür prädestiniert, die Brücke zwischen dem technisch Möglichen (R&D) und dem wirtschaftlich Sinnvollen (Marketing) zu schlagen. Designer berücksichtigen auch die Marke und sind am Ende der Garant, dass das Ergebnis attraktiv und wertvoll für den Verbraucher ist. Doch wo sind die Pioniere, die mutigen Markenhersteller und wirklich innovativen Händler, die willens und bereit sind eine wahrhaftig neue Ära einzuleiten? Wir bei Indeed sind es. Wer ist noch dabei?

Dieser Artikel ist vorab erschienen im Fachmagazin creativ verpacken, Februar 2015 (Autor Karel Golta)
pdf des Artikels: creativ verpacken 2_2015_S1+18

Karel J. Golta

Managing Director

Karel, CEO and founder of INDEED, is Swiss but far from being neutral. When he's not planning "the next big thing" with clients, you can controversially discuss with him the value of design. And above all, how design preserves humanity in the age of AI and automation.

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