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January 24, 2020

Mobilität neu gedacht

Während sich alle in Zukunftsprognosen für das neue Jahr ergehen, haben wir mal in unseren Schubladen gestöbert und ein paar Konzepte gefunden, die wir aus heutiger Sicht anders bewerten würden, als noch vor ein paar Jahren…

2017 haben wir mal über ein Automotive Tinder nachgedacht. Also ein mobiles Erlebnis, das Transport und Kennenlernen miteinander verbindet. Ein passendes Gefährt wurde dieses Jahr quasi bei der CES vorgestellt: Der Segway Transport-Pod, ein selbststabilisierender Elektrorollstuhl, der bis zu 40 km/h schnell fährt und maximale Bequemlichkeit garantiert.

Drive to Match

Wie Tinder selbst, mag man auch den Wert des S-Pod für gesunde, sozial integrierte, erwachsene Menschen anzweifeln. Aber mit Sicherheit wäre es ein Erlebnis sich in dieser Form durch die Stadt zu bewegen und neue Menschen kennenzulernen.

Drink and let drive

Ebenfalls im urbanen Raum angesiedelt sowie Marken und Menschen verbindend ist das zweite Konzept, dass wir in derselben Schublade gefunden haben. Wir nannten es Anfang 2017 „Uber 2.0“. Heute würden wir es eher „ Sponsored MOIA“ nennen. Sie wissen schon, diese Kleinbusse in Gold-Braun, die passagierlos durch Hamburg kreuzen und virtuelle Haltestellen aufmachen.

Das Mobilitätsangebote nicht mehr als Sponsoringfläche genutzt werden, wundert uns seit Jahren – deshalb hängen wir auch noch arg an der Idee eines „Drink and let drive“-Angebotes, das so gut zu den Reeperbahnpendlern am Wochenende passen würde…

Ein drittes Konzept lag ganz unten in der Schublade – eher 2016 als 2017. Ganz unten, weil es wirklich viele Unterlagen zu ein und demselben Konzept waren und wir uns über die Umsetzung häufiger Gedanken gemacht haben, da es unser Leben einfach um Einiges erleichtern würde:

Der Büromensch kauft gerne an Orten des Transits ein.

Flughafen, Bahnhof, U-Bahn-Stationen sind nicht nur Umsteigestationen sondern mittlerweile Orte, an denen alles für den täglichen Bedarf eingekauft wird. Das Frühstück auf dem Weg ins Büro, der Snack für die Mittagspause oder der Lebensmitteleinkauf fürs kommende Wochenende. Nach einiger Zeit in der Supermarktschlange oder etwas schneller an der Self-Check-out-Kasse schleppt man sich dann trepp auf trepp ab mit den Tüten in volle Bahnen und Busse. Nur um dann dort mit den Tüten ziemlich sinnlos auf den finalen Halt zu warten.

Was wäre, wenn der Einkauf in der Bahn, auf dem Transportweg erledigt werden könnte?

Inspiriert von den digitalen Shoppingmöglichkeiten in der japanischen Metro, dachten wir an einen Nahversorger auf Schienen. Warum nicht ein City Convenience Store Konzept, dass wir nutzen, während wir uns unserem Zielort nähern?

Während die Customer Journey für uns direkt klar und eindeutig war, hat uns der Service Design Blueprint und das Businessmodell vor Herausforderungen gestellt. Der öffentliche Nahverkehr in Deutschland ist kostengünstig, dementsprechend leer sind die Kassen für notwendige Ausbauten der Strecken. In Hochfrequenzzeiten reichen die Züge kaum für die Personenzahl. Nicht auszudenken, wenn zwei Abteile zum Supermarkt werden, durch die sich shoppingwütige Passagiere drängen. Lizenz- oder Konzessionsverträge könnten da helfen.

Doch wie sieht die Logistik der Lieferanten bzw. Lebensmitteleinzelhändler aus? Wie organisiert man individuelle Warenverfügbarkeit nach temporären Shoppingbedürfnissen in fahrenden Einheiten. Mit der richtigen Datengrundlage sind das bestimmt alles lösbare Probleme, aber allein sämtliche Beteiligte in einem Value Map zu verorten, war schon anstrengend, so dass wir dieses Konzept nach eingehender Betrachtung wieder ganz unten in der Schublade verstaut haben. Direkt neben den anderen „Wir hätten so gerne“-Ideen, die wir liebend gerne, aber eben auch nur bis zu einem gewissen Punkt ohne Kundenauftrag verfolgen.

Mobilität gestern, heute, morgen

Gedanken machen wir uns grundsätzlich über Mobilität, was sie für uns als Menschen und Verbraucher bedeutet. Skeptisch verfolgen wir, was aus Ubers Flug-Taxis wird. Mit Freude sehen wir nachhaltige Vorhaben über die Weltmeere kreuzen. Kritisch blicken wir auf unsere eigenen Konzepte, die vielfach Ausdruck der urbanen Filterblase sind. Während der rurale Raum andere Anforderungen an Mobilität kennt und das eigene Auto einen höheren Stellenwert besitzt als in der Stadt.

Doch bei allen Mobilitätskonzepten sollten wir in Zukunft nicht vergessen, dass die meisten von uns mit einem Paar bio-kinetischer, sich selbst ausgleichender, organisch abbaubarer „People Mover“ ausgestattet sind. Wir nennen sie "Beine" und die sind ganz toll designt, um uns von A nach B zu bringen und dabei Güter zu transportieren.

Header Photo by Joey Kyber on Unsplash

Entstanden dank der Kreativleistung von Ashkan, Johanna und weiteren.

Stefanie Wibbeke

Marketing & Communication

Stefanie is Head of Marketing at INDEED. She is responsible for spreading the word about us through digital and social marketing, partnerships, events, and more. As humanities scholar, she questions our work from a different angle and makes us explain projects with the human experience in mind. Residing in Hamburg by choice, she couldn’t live without her daily dose of crocheting.

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