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June 24, 2019

Design und Marketing – Frenemies for life?

Beim VDID Newcomers’ Award 2019 in Köln hatte Tanja die Freude, über den Einfluss von Service Design auf die aktuellen Marketing Methoden zu sprechen und gleichzeitig eine Lanze für die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Design, Marketing und Engineering zu brechen.

“Während des Studiums entwickeln die meisten Designer eine Aversion gegen Marketing”, erklärte mir mal ein früherer Kollege. Statt sich Sales & Marketing zu bedienen, um das eigene Design ins rechte Licht zu rücken, wie auch Engineering als Ressource und Enabler genutzt wird, werden (zumeist unbekannte) Marketingmethoden kategorisch ausgeschlossen und aus dem Designprozess verdammt. Dies kann die Kreativität in Bezug auf Kundenbriefings, Markterwartungen, regulatorische Gegebenheiten und ähnliche Begrenzungen einschränken. Wobei mir bewußt ist, dass manch eine Diskussion mit Marketeers zermürbend sein kann.

Service Design und Digitalisierung stellen alle Disziplinen vor neue Herausforderungen und bieten neue Chancen – in der Zusammenarbeit und im Ergebnis. Marketing-Prinzipien, die Dekaden über Gültigkeit besaßen, werden – im Sinne des Nutzers – neu gedacht. Ein Beispiel: Die vier klassischen Instrumente des Marketing-Mix sind die sogenannten „vier P“; Product, Price, Place, Promotion wurden um 1960 von Jerome McCarthy vorgeschlagen und seitdem weltweit angewandt, um Marketingstrategien in konkrete Aktionen umzusetzen.

David Carter aktualisierte diese Einteilung 2017 wie folgt:

• EXPERIENCE statt PRODUCT: Das Produkt steht nicht mehr länger im Mittelpunkt, sondern die umfängliche und individuelle Experience. Und diese endet nicht mit dem Kauf, sondern setzt sich als Consumer Experience durch immer neue Interaktionen mit der Marke – in Form von Produkten und Services – fort.

• EVERYPLACE statt PLACE: Multi-optionale Kunden erwarten, sich jederzeit und überall informieren und auch kaufen zu können. Es ist also unumgänglich in allen für den Kunden relevanten Kanäle mit darauf abgestimmten Maßnahmen präsent zu sein.

• EXCHANGE statt PRICE: Kunden erwarten heute mehr als nur ein funktionierendes Produkt. Sie möchten verstehen, wie der Wert desselben zustande kommt. Hier gilt es eine transparente Story und eine direkte Kommunikation zu bieten. Kann man hier überzeugen, ist der Wert gerechtfertigt und Kunde akzeptiert den geforderten Preis.

• EVANGELISM statt PROMOTION: Die besten Werbeträger sind zufriedene Kunden. Sie sind authentisch in der Zielgruppe und tauschen ihre Erfahrungen mit einem Produkt in ihrem Umfeld und auf allen relevanten Kanälen aus. Jeder Kunde hat so das Potenzial ein „Key Influencer“ einer Marke zu werden.

Um den veränderten Kundenerwartungen gerecht zu werden, braucht es ein interdisziplinäres Teams, in dem jede Disziplin ihre Methoden nutzt, um das bestmögliche Design zu entwickeln.

Dies sind einige meiner Kerngedanken aus meinem Vortrag beim VDID Newcomers’ Award 2019 in Köln im Rahmen des VDID Industrial Design Day 2019 am 24th May. Bei der Veranstaltung ging es übergeordnet um die “driving factors in industrial design: the transformation of traditional industries, the development of new brands and the change of user expectation and experience in digital times.” Dementsprechend wurde die gesamte Spannweite von modernen Manufakturen, die mit innovativen Produktideen für traditionelle Materialien punkten, über neue Designansätze für Märkte/Marken sowie mehrwertschaffende Digitalisierung bis hin zu Themen wie nachhaltiger Architektur oder Zukunftsforschung diskutiert.

Sämtliche honorierten Projekte finden sich übrigens hier: https://www.vdid.de/newcomer/award.php

Meinen Glückwunsch an alle Gewinner! Und ich hoffe, ihr findet auf euren Weg die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Design, Marketing und Engineering ebenso fruchtbar wie wir.

Tanja Kruse Brandao

Business Strategy

As Business Strategist at INDEED Tanja develops new business models when it comes to monetize innovation. Often “on tour” as keynote speaker, jury member or rare female panelist with technology background she is always advocating for human-first in innovation and digitalization. Her motto: “From the New to the Better.”

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