Thinking

November 28, 2017

Der Mensch in der Welt von VR, AI und IoT

Bei der Viscom und beim World Usability Day geht Heiko Tullney der Frage nach, welchen Beitrag zur Welt von morgen Design schon heute leisten kann.

In den letzten Wochen hatte ich das Vergnügen auf zwei interessanten Events zu sprechen: Die Viscom in Düsseldorf beschäftigte sich unter dem Motto ‚We Connect’ mit der Verbindung von Innovation, Inspiration und Information und beim World Usability Day in Hamburg ging es um ‚Inclusion through User Experience’. Zu beiden Themen bot es sich an, den Besuchern den human-first (mensch-zentrierten) Ansatz vorzustellen, den wir bei Indeed innerhalb aller Entwicklungen in den Mittelpunkt stellen, und in diesem Zuge erneut den Design-Thinking-Mindset zu erläutern. Denn obwohl Design Thinking in aller Munde ist, wird diese ganzheitliche Arbeitsweise oft noch nicht so verstanden, wie es ihr gebührt.

Künstliche Intelligenz, Virtual Reality und das Internet der Dinge stehen immer mehr im Zentrum vieler Entwicklungen und halten Einzug in allen Bereichen des Lebens. Sie sollen Prozesse verbessern, uns zum Vorteil gereichen. Trotzdem wird hierbei der Mensch oft vergessen. Wie kann das sein? Wie wird die Zukunft aussehen und wo ist der Mensch in dieser neuen Welt? Design kann hierauf Antwort geben. Denn Design kennt Methoden und Prozesse, die Entwicklungen relevant machen!

Die Relevanz eines Produktes oder einer Dienstleistung ist nicht abhängig vom Produkt oder der Dienstleistung selbst. Sondern von den Menschen, für die sie geschaffen werden. Es gilt über den Tellerrand hinauszuschauen. Design fragt nicht, wie das erdachte Produkt schön aussieht, sondern was und wie es dem Nutzer hilft seine Ziele umzusetzen. Was sind die sogenannten ‚unmet needs’?

Mit dem Blick auf Usability muss Design sich die Frage stellen, wer überhaupt der Anwender ist. Und wie die Welt um ihn herum aussieht. Mittels User Research ergeben sich viel weitere Innovationsmöglichkeiten, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht; es zeigen sich functional, emotional und social needs, die echte Bedürfnisse treffen und damit hohe Relevanz für die Innovation und somit value creation haben.

Value Creation

Eine ‚normale’ Produktentwicklung sah früher so aus, dass am Ende der Kette das Designen als ‚hübsch machen’ stand. Daraus ergab sich nochmal ein Mehrwert und alle waren zufrieden.

Design Thinking will etwas vollkommen Anderes: Es gilt, den gesamten Entwicklungsprozess mit Design zu durchdringen! Einen iterativen, agilen, dynamischen Prozess zu erzeugen, der zu erweiterten, viel spezifischeren und vor allem zu relevanten Innovationen führt. Selbstverständlich ist dies ein Investment, aber es führt zu einem enormen Mehrwert.

Im Design Thinking geht es um 5 Schritte:

  • ‍Identify: Teams zu bilden und vorhandenes Wissen zu bündeln und zu erforschen: ‚Was haben wir schon/was wissen wir?’
  • Explore: Noch ohne Lösungen aus diesem Wissen Opportunitäten zu ermitteln und Ideen dahingehend zielgenau zu entwickeln
  • Ideate: Zielgerichtete Ideen für die identifizierten Möglichkeiten entwickeln
  • Create: Die besten Ideen zu relevante Konzepte auszuarbeiten
  • Deliver: Konzepte in Produkte und Services umsetzen

Agile development and design thinking

Am Ende steht eine Innovation, die deswegen wirtschaftlich erfolgreich sein wird, weil das iterative Vorgehen dafür sorgt, dass die Relevanz erhalten bleibt. Zeitliche Veränderungen werden berücksichtigt, die Konformität zu den Erkenntnissen im Auge behalten - dieses Nachsteuern ist typisch für Design Thinking.

Es gibt zwei Wege der Entwicklung

  1. ‍product-driven – durchaus möglich für kleinere ‚knackige’ Projekte
  2. human-driven – sinnvoll, da eine völlig andere Breite an Innovationsmöglichkeiten geschaffen wird

Der menschzentrierte Ansatz erweitert den Horizont. Es gilt nicht unbedingt, das Produkt selbst zu verändern, sondern eben über diesen einen Horizont hinauszublicken auf das, was dem Menschen nützt. Das kann u. a. eine Innovation über die Ergonomie der Gesamtanwendung bedeuten oder die Interaktion der Produktnutzer miteinander oder sogar über den Kaufprozess:

Ein funktionaler Mehrwert kann zum Beispiel geschaffen werden, wenn man einen Helm für Bauarbeiter nicht einfach als Helm betrachtet, sondern als Arbeitsschutz. Ausgestattet mit einem GPS-System wird das Produkt nicht nur Gefahren abwehren, sondern Gefahrenbereiche erkennen und somit Gefahrensituationen gar nicht erst zulassen

Ein emotionaler Mehrwert zeigt sich, wenn zum Beispiel ein Kopfhörer nicht rein als Tool zum Musik hören sondern als Schnittstelle zu einem ganzheitlichen Musikerlebniss verstanden wird. Verbunden mit dem Smart-Device würde er gestatten, emotionale Momente mit anderen zu teilen und so einen deutlich umfangreicheren Mehrwert schaffen als eine neue Optik o. ä. das könnte.

Die Gründe für die Notwendigkeit von Innovation liegen auf der Hand: Während es in den meisten Unternehmen früher reichte, den Status zu halten und die eine oder andere inkrementelle Innovation hervorzubringen, um damit herauszuragen, ist das heute anders. Inkrementelle Innovation ist eine Selbstverständlichkeit in jedem Unternehmen. Will man mithalten oder aber herausragen, muss Innovationsfähigkeit elementarer Bestandteil und disruptive Innovation das Ziel sein.

Create value by design
Horizons of Innovation

Ungeachtet dessen, dass es Sackgassen und Rückschritte geben wird – gute Entwicklungen brauchen ihre Zeit und ihren iterativen Prozess. Aber dieser wird kontrolliert und inhaltsorientiert durchgeführt. Jeder einzelne Step führt zu messbaren Ergebnissen und einen Mehrwert, in Form von verwertbaren Erkenntnissen und Fortschritten. So kann das Budget auf mehrere KPI verteilt und sinnvoll verargumentiert werden – das Resultat lohnt es in jedem Fall.

Zum Abschluss gab es noch meine persönlichen Empfehlungen auf dem Weg zur erfolgreichen Innovation:

  1. Keiner muss ein Genie sein! Wer die Prozesse und Methoden kennt und richtig anwendet, wird zu guten Ergebnissen kommen
  2. Nicht in Lösungen denken, sondern in Möglichkeiten!
  3. Radikal ist normal! Denn was heute noch eine Idee ist, ist morgen ein übliches Produkt.
  4. Bildet Teams und geht respektvoll miteinander um! Bestätigt Euch, lobt Euch, freut Euch zusammen!
  5. Lernt Eure Anwender kennen! Erlebt sie selbst in ihrem Umfeld, nicht nur in Euren Gedanken.
    Und der wichtigste Punkt:
  6. Fangt jetzt an! Tut es und wartet nicht – denn niemand wartet!

Heiko Tullney

Creative Director

Heiko is the creative mentor and connector between and within the INDEED departments. He leads and stimulates the creativity process and execution of diverse product, services and user experiences. From front end innovation strategy over to industrial, service and experience design onwards to engineering he cares about the holistic user centred development approach.

The
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