Thinking

August 3, 2018

Deep Work. Was die Arbeitswelt von Designern lernen kann.

‚Nichts Gutes wurde je in einem großen Raum geschrieben’, so der preisgekrönte Historiker David McCullough, der in einer Hütte auf Martha’s Vineyard arbeitete. Mag sein, aber in großen Räumen wird gut innoviert und designt – ebenfalls preisgekrönt. Was also machen Designer hinsichtlich Deep Work besser als andere?

Alle Welt redet von Design Thinking und davon, wie andere Unternehmensbereiche von Designern lernen können, an Aufgabenstellungen und Probleme heranzugehen. Ich selbst bin ‚ein anderer Unternehmensbereich’ und arbeite seit Jahren in der Umgebung von Designern, sei es bei meinen Kunden oder unter meinen Kollegen. Und was mich immer wieder fasziniert, ist nicht ihre Art und Weise Projekte anzugehen – vermutlich ist mir diese schon längst in Fleisch und Blut übergegangen – sondern etwas ganz anderes. Etwas, worum ich mich immer wieder erfolglos bemühe. Worin ich vielleicht auch phasenweise immer besser werde. Aber eben nie perfekt. Und worum ich deswegen jeden Designer, den ich kenne, beneide: Konzentration. Ruhe. Fokussiertheit auf eine einzige Tätigkeit. Und damit richtig gute Ergebnisse.

Seit mehr als 7 Jahren bin ich externe PR-Beraterin von Indeed. Seit mehr als 7 Jahren gehe ich also in den Räumlichkeiten ein und aus, erst am Holstenwall, jetzt in ihren tollen neuen Büros im Kontorhausviertel. Schon immer wurde Community bei Indeed großgeschrieben und daher wurde schon immer gemeinsam in großen Räumen gearbeitet. Wieso schaffen es alle, trotz vermeintlicher Ablenkungsmöglichkeiten durch Kollegen, Smartphones, Telefone und Besucher konzentriert bei der Sache zu sein? Warum reicht bei mir dagegen ein Vogel vor der Terrassentür, um mich mal kurz aufblicken zu lassen – von Anrufen, Emails, Paketboten ganz zu schweigen? Das Telefon klingelt, eine Mail ploppt auf, das Handy meldet neue Nachrichten. Ein Kunde hat einen eiligen Wunsch, ein Journalist ruft zurück, eine Erinnerung an den fälligen Social Media Post. Da muss ich mich doch kümmern. Oder?

Deep Work – oder auf deutsch ‚konzentriertes Arbeiten’ ist trotz aller Achtsamkeits-Trends immer noch nicht allzu verbreitet. Dabei ist es nicht nur der Garant für mehr Output und bessere Arbeitsergebnisse, sondern auch für mehr Zufriedenheit und bessere Gesundheit. Cal Newport hat bereits vor einigen Jahren einen Bestseller darüber geschrieben und er benennt die ‚Netzwerk-Tools’, also Emails, SMS, Social Media, Smartphones, Infotainment-Websites & Co als die Hauptgründe dafür, dass unsere Aufmerksamkeit nur noch scheibchenweise existiert. Bin ich also unschuldig an meinem Dilemma? Schließlich gehören all diese Mittel zu meinem Job wie die Schere zum Friseur.

Aber ich bin nicht gewillt, das so hinzunehmen, denn ich glaube fest daran, dass die fehlende Fähigkeit sich in etwas zu vertiefen, uns absolut schadet. Umso mehr, als dass diese immer weiter verloren geht, je länger wir nur oberflächlich an Dinge herangehen. Die Konzentrationsfähigkeit ist, wenn sie einmal abhandengekommen ist, nicht einfach wiederherzustellen; das Gehirn verlernt sie!

Cal Newport benennt in seinem Buch seine eigenen Strategien zur konzentrierten Arbeit, mich aber interessiert, was die Designer zum Thema zu sagen haben.
Hier ein paar aufschlussreiche Antworten:

Auf Zwischenergebnisse konzentrieren

Design ist keine einzelne Hau-Ruck-Aktion. Um etwas zu gestalten, braucht es viele iterative Schritte. Der Prozess kann lange sein und beinhaltet viele unterschiedliche Aktivitäten. Mit diesem Bewusstsein konzentriert sich der Designer, der dies über Jahre gelernt hat, immer nur auf das nächste Zwischenergebnis.

Die Fortschritte hat man selbst in der Hand und häufig passieren diese in kurzen Sprints, die konzentriertes Arbeiten besser erlauben als langwierige Tätigkeiten, die Ausdauer benötigen. Projektetappen begrenzen die aufzuwendende Zeit ebenso wie das jeweilige konkrete Ziel. Wenn es zum Beispiel um das Ausarbeiten einer Idee geht, wird nach ersten Impulsen gestoppt. Danach braucht man neuen Input und neue Gedanken und dafür braucht das Gehirn eine Unterbrechung.

Deep Work in überschaubaren Etappen.

Ortswechsel und Equipment zur Fokussierung

Dem Designer hilft die Tatsache, dass meistens ein Werkzeug (Stift, Säge o. ä.) benötigt wird. Dabei muss er sich nicht nur auf sich und sein Zwischenziel konzentrieren, sondern auch auf die korrekte Anwendung unterschiedlicher Tools. Dieses Wechselspiel macht es einfacher sich zu konzentrieren, und die damit verbundenen Tippel-Schritte des Prozesses ermöglichen häufiger kleine Pausen und somit eine geringere Übermüdung.

Je nach Arbeit ‚sperrt’ man sich mit allen benötigten Tools ein. Indeed hat dem in den neuen Büroräumen Rechnung getragen: Von der Telephone-Booth über Lounge, Meeting-Points und Präsentationsflächen bis hin zur Werkstatt gibt es für jede Tätigkeit die passende Umgebung. 

Deep Work-Locations – übrigens auch für den Power-Nap.

Das Team nicht als Störfaktor, sondern als Unterstützung

Teamarbeit fördert den Fokus, denn man muss eine gemeinsame Session gut vorbereiten und wissen, was man darin erreichen will. Die Team-Dynamik treibt die Konzentration dann weiter voran, denn jeder baut auf die Gedanken der anderen auf.

Auch in der Einzelarbeit kann das Großraumbüro dabei helfen, den Faden nicht zu verlieren und im Flow zu bleiben: Bei Problemen hilft der Schreibtischnachbar und verhindert so, dass man sich an einem Problem festbeißt, anstatt bei seiner eigentlichen Sache zu bleiben.

Deep Work dank eines guten Team-Spirits.

Selbstbewusst seine eigenen Strukturen schaffen

Deep Work erfordert bei sich selbst zu sein, klar zu sein und sich selber zu vertrauen. Dann kann man folgende Regeln treffen, die zielführend für jede konzentrierte Arbeit sind:

  1. ‍Ignoriere eingehende Nachrichten in der Konzentrationsphase. Nicht benötigte Devices bleiben in der Tasche, Push-Nachrichten werden ausgeschaltet. Du selbst triffst die Entscheidung, wann E-Mails gelesen werden, nicht der Absender.
  2. Triff Entscheidungen, um die Dinge voranzutreiben. Später ist genug Zeit, Ergebnisse zu verfeinern.
  3. Vertrau deiner eigenen Expertise und setze das um, was du selbst für richtig hältst. Du brauchst nicht für jeden Schritt sofort die Meinung von anderen.
  4. Plane deinen Tag durch und lass dich von deiner Struktur nicht von Dritten abbringen. Du hast die eine Sache im Kopf, alles andere muss warten.

Deep Work mit gesunder und selbstbewusster Haltung.

Enjoy your favourite music loud!

Glückliche Designer – sie haben Aufgaben, bei denen sie sich durch Musik beflügeln lassen können. Gestalterische Tätigkeiten gehen gut von der Hand, wenn gleichzeitig die Lieblingsmusik die Stimmung hochhält (in der Tat funktioniert das deutlich weniger, wenn es beispielsweise um Kalkulationen oder Textarbeit geht). Es ist längst erforscht, dass nur wenige andere Dinge einen so großen Einfluss auf die Stimmung haben wie Musik – die vielen Kopfhörer im Büro erfüllen also ihren Zweck.

Deep Work durch Glücksgefühle (sowie Pop, Rock, R&B und Dub).

Liebe, was du tust

Und dazu passt der Punkt, der in allen Antworten durchkam: Je interessanter eine Tätigkeit ist, je mehr derjenige dahintersteht, je mehr Freiraum er im eigenen Tun hat, je mehr er das Projekt liebt, desto tiefer die Konzentration bei der Arbeit. Liebe zur Tätigkeit sorgt für gute Ergebnisse und der Erfolg für Zufriedenheit, diese wiederum für ein unaufgeregtes Gehirn, das sich fokussieren kann.

Deep Work aus der Freude heraus.

Andrea Vorm Walde DE

PR and Communications

Andrea kümmert sich um unsere PR und zeigt gerne, wie innovativ und vielseitig Indeed ist. Eigentlich ist sie zuständig für die Worte – trotzdem lässt sie uns hier meistens den Vortritt, weil wir als Designer und Entwickler in unserem Blog ganz authentisch berichten wollen. Und das können wir am besten selber.

The
Mensch


click here for more:
NEWS, BLOG, EVENTS & THINKING