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February 12, 2015

Das Business und die Romantik

Geschäftsalltag und Romantik, das geht ja wohl kaum zusammen, und wollen wir das überhaupt? Tim Leberecht hat bei unserer DMI NightOut sein Buch vorgestellt und anschließend einen Beitrag für uns verfasst.

Tim Leberecht ist ein internationaler Management- und Marketingexperte und der Autor des Buches „Business-Romantiker: Von der Sehnsucht nach einem anderen Wirtschaftsleben“. Früher Marketingleiter bei frog, heute CMO bei NNBJ mit Kunden wie Amazon, Google, Samsung, Boeing und Starbucks, ist er aus seiner derzeitigen Wahlheimat San Francisco zu Besuch bei uns in Hamburg gewesen. Während unserer DMI NightOut im Brahmskontor Hamburg, hat er uns in seiner mitreißenden Art in die Welt der Romantik innerhalb unseres Geschäftslebens geholt. 

Sein Werk ‚Business-Romantiker’ widmet sich der Frage, wie wir unserem Berufsleben wieder viel mehr Bedeutung, wenn nicht sogar Magie verleihen können. „Give everything, quantify nothing, and create something greater than yourself “, so der Untertitel seines Buches. Dabei geht es nicht um bereits bekannte Phrasen oder die Rumträumerei eines Werbefachmanns – nein, vielmehr hat Tim Leberecht zehn einfache, aber aufrüttelnde Regeln aufgestellt, darunter „Nimm wieder Verbindung mit dem Wesentlichen auf“ oder „Bewahre das Zauberhafte“ und „Leide (ein bisschen)“. 

In seinem Vortrag ging er im Detail auf diese drei ausgewählten Thesen ein und nahm die Zuhörer auf konkrete Weise mit in eine vielleicht gar nicht so ganz neue, aber doch sehr verlockende, sogar erstrebenswerte Gedankenwelt. Alte Werte wieder neu schätzen zu lernen, sich des Besonderen, Überraschenden im täglichen Leben bewusst zu sein und dafür etwas zu geben, das vielleicht auch Überwindung oder Anstrengung kostet – das fühlt sich nach seinen Ausführungen einfach gut und richtig an.

Zu unserer großen Freude, hat Tim sich dann noch Zeit genommen, einen Artikel für unseren Blog zu schreiben. Uns inspirieren seine Ideen immer sehr – wir hoffen Euch auch. Viel Spaß beim Lesen!

Mehr Romantik am Arbeitsplatz

von Tim Leberecht

Wir brauchen eine neue romantische Bewegung! Wie die Romantiker im 18. Jahrhundert – Novalis, William Blake oder Lord Byron – aufbegehrten gegen den Alleinanspruch der Vernunft und der empirischen Wahrheit, so sollten wir jetzt aufbegehren gegen die Entzauberung der Welt durch die Ökonomisierung und nun zunehmend auch die Datafizierung und Quantifizierung unserer Identitäten und Beziehungen, weit über den Arbeitsplatz hinaus. Wir brauchen wieder mehr Romantik in unserem Leben, und Business ist
dafür die perfekte Bühne und das effektivste Mittel.

Wie fängt man idealerweise an, „Business-Romantiker“ zu sein?

Der romantische Dichter William Wordsworth hat es so formuliert: „To begin, begin.“ Es ist also zunächst einmal wichtig, dass man eine romantische Sensibilität erwirbt, dass man das Geschäftsleben mit anderen, frischen Augen betrachtet und andere Bezugspunkte schafft. Das bedeutet für den Business-Romantiker, eine romantische Brille aufzusetzen, buchstäblich. Im
Deutschen wird das schnell als „rosarote Brille“ abgetan – aber Schönheit liegt eben tatsächlich im Auge des Betrachters.

Konkret kann dies zum Beispiel bedeuten, dass Sie das Wort „romantisieren“ nicht mehr rein negativ verwenden und dass Sie in Meetings offen über Ihre Gefühle sprechen. Oder dass Sie morgen einfach einmal ganz bewusst als andere Person am Arbeitsplatz auftauchen. Wie die US-Autorin und Sozialpsychologin Amy Cuddy festgestellt hat ist „So tun als ob“ oft der direkteste Weg zum tatsächlichen „Sein“.

Wichtig ist allerdings, dass man Business-Romantik nicht gleich zur Chefsache erklärt oder firmenweit formalisiert – das wäre nämlich kontraproduktiv und würde die Romantik im Ansatz zerstören. Ich glaube auch nicht an Überzeugungsarbeit. Als Romantiker werden Sie es schwer haben gegen den Zynismus mit reiner Rhetorik anzukommen. Lassen Sie Taten sprechen! Manipulieren Sie den Arbeitsalltag an kleinen, unscheinbaren Nahtstellen der
Realität.

Ein (un)typischer romantischer Arbeitstag

In meinem Buch präsentiere ich sogenannte „Regeln für Business-Romantiker“ sowie ein Einsteigerpaket, das konkrete 15 Schritte vorschlägt. Die Regeln reichen von „Gib mehr als du nimmst“ zu „Hüte das Geheimnis“ zu „Tu so, als ob“ bis hin zu „Steh still und tue nichts.“ Alle diese Regeln hinterfragen typische Konventionen. Mit „Hüte das Geheimnis“ zum Beispiel wende ich mich gegen den Glauben, dass Transparenz immer gut ist und zeige auf, wie kleine Geheimnisse und Rätsel die Phantasie auf Trab halten. Letztlich geht es bei allen Regeln darum, das Vertraute wieder fremdartig, ja sogar etwas seltsam zu machen. Kleine Manipulationen, kleine „Hacks“, kleine Tabubrüche wirken da buchstäblich Wunder.

Spielen wir einmal einen (un)typischen romantischen Arbeitstag durch: Anstatt direkt ins Büro zu gehen, können Sie jetzt erstmal tanzen gehen. Daybreaker macht’s möglich. Es ist eine Art Pop-Up Club, der Sie – jetzt auch in Deutschland – dazu einlädt, mit Hunderten anderer um 6:30 Uhr morgens erst einmal ausgelassen zu tanzen. Ekstase vor der Effizienz, sozusagen. Auf dem Weg zur Arbeit sprechen Sie dann Fremde in der U-Bahn an. Eine Studie der Universität Chicago hat ergeben, dass dies ein außerordentliches Glücksgefühl erzeugt.

Diese Form der „kleinen Grenzerfahrung“, die Sie ein bisschen aus Ihrer Wohlfühlzone puscht, können Sie dann im Büro fortsetzen: Tauschen Sie den Arbeitsplatz, vielleicht sogar die Rolle. Die Bank Credit Suisse hat zum Beispiel einen Großteil ihres Büros in Zürich einen Co-Working Space umgewandelt, was bei der Belegschaft sehr gut ankam. Der US-Online-Händler Zappos design seine Räumlichkeiten ganz bewusst für sogenannte „people collisions“ – zufällige Begegnungen am Arbeitsplatz. GitHub, eine Softwarefirma in San Francisco, ermutigt ihre Angestellten gemeinsam zu wohnen und neue Städte kennenzulernen, und in Teams von Venedig oder Montevideo auszuarbeiten. Das stärkt den Teamgeist und die persönliche Weiterbildung. Und der Motivation schadet es anscheinend auch nicht.

Oder laden Sie einen Kollegen zum Mittagessen ein, den Sie noch nie getroffen haben. Überraschen Sie ihn oder sie mit einem „zufälligen Akt der Freundlichkeit“ („random act of kindness“), so wie das die holländische Airline KLM gemacht hat mit spontanen Geschenken für Reisende am Flughafen oder Unterbrechen Sie Ihre Arbeit für 15 Minuten für einen guten Zweck – Studien belegen, dass Sie sich produktiver und zufriedener fühlen.

Anstelle von Telefonkonferenzen führen Sie „dichte Tage“ ein, die Sie nur mit einem Kollegen oder einer Kollegin verbringen, ohne von „dünnen Formaten“ wie Team-Meetings und E-Mail abgelenkt zu werden. Unterrichten Sie von Kollege zu Kollege, über Themen wie Tango tanzen, Filme und andere Hobbies (so macht das die Etsy School des E-Ommerce-Anbieters Etsy). Richten Sie eine Art Geheimbund ein, der Ihnen und Ihren Kollegen erlaubt, bestehende Praktiken in Frage zu stellen und eine Art Gegen-Realität zu Ihrer Firma zu entwerfen, die unter anderem das Denken der Konkurrenz simuliert und Andersdenken ein Forum bietet für radikale Ideen.

Feiern Sie das Ende von Projekten, aber trauern Sie auch und gönnen Sie sich und Ihren Kollegen etwas Zeit, bevor sie sich aufs nächste stürzen. Überhaupt, in einer Zeit, in der Ideen und Projekte zunehmend zum Strukturprinzip des Organisationsdesigns werden, kann es nicht schaden, Projekte als romantische Geschichten zu begreifen, mit Spannungsbögen, und eigentlich, wenn wir ehrlich sind, auch immer mit offenem Ausgang, trotz unserer Versuche, alles zu berechnen und vorherzusehen.

Beenden Sie den Tag schließlich mit einem intimen Kerzenlicht-Dinner, zu dem Sie Ihr Team oder Ihre Kollegen aus anderen Abteilungen einladen – und auch Fremde von außen – und sprechen Sie über Arbeitsthemen sowie Themen, die Sie alle angehen, auch außerhalb der Arbeit.

Fragen Sie sich jeden Tag: Wenn ich nur sechs Monate hier wäre, was wäre meine größte Hinterlassenschaft für die Organisation? Fangen Sie an, sofort an der zu arbeiten.

Andrea Vorm Walde

PR and Communications

Andrea takes care of our PR and likes to show how innovative and versatile Indeed is. Actually, she is responsible for the words - nevertheless, she usually leaves us here first because we as designers and developers want to report authentically in our blog. And that’s what we can do best ourselves.

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