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October 14, 2019

ÄNX – Fidget your fears away

Von unspezifischen Angstzuständen berichten fast 60 Millionen Menschen in Europa. Ein Teil davon wird sogar ernstlich krank und muss behandelt werden. Was wäre, wenn Technik uns zu einem konstruktiven Umgang mit unserer eigenen Unsicherheit anleiten und so einen Weg aus der Angstspirale zeigen könnte?

Wer kennt sie nicht die alltäglichen Sorgen? Schaffe ich mein Tagespensum - in der Arbeit, im Privatleben? Habe ich mich ausreichend um X gekümmert? Müsste ich mich nicht mal wieder bei Y melden? Und Z verdient bestimmt mehr als ich, obwohl er immer pünktlich nach Hause geht… Der Alltag, wirtschaftliche Unsicherheit, aber auch globale Probleme wie Gewalt und Globalisierung setzen den Menschen zu. Das ist normal.

Angst und Unsicherheit gehören zum Leben dazu. Besonders die Angst ist ein wichtiges Signal, das uns vor Gefahren warnt und schützt. Und die meisten Menschen funktionieren trotz permanenter Verunsicherung hervorragend und führen ein erfülltes Leben.

Doch was ist mit denen, die sich in einer Phase ihres Lebens befinden, in der sie sich immer schwerer damit tun, Ablenkung von empfundenen Gefahren zu finden? Was ist mit denen, die keinen konstruktiven Umgang mit ihrer eigenen Unsicherheit finden und Gefahr laufen tiefer in die Angstspirale hineingezogen zu werden?

Für diese Menschen wollten wir einen Katalysator schaffen, indem wir der individuellen Verunsicherung konstruktiv-kreativen Ausdruck verleihen mit sozialer Komponente, bevor die Angst krankhaft wird.

ÄNX ist das Ergebnis unseres Gedankenexperiments: Was wäre, wenn Technik uns zu einem konstruktiven Umgang mit unserer eigenen Unsicherheit anleite? Das Konzept vereint Generative Design mit Augmented Reality, motorische Ablenkung mit bewusster Atemtechnik, individuelle Ängste mit positiven Kommunikationsanlässen. Es ist kein therapeutisch zugelassenes Heilmittel, sondern ein Alltagsgegenstand, der jedem Menschen erlaubt, seine oder ihre negativen Gefühle, Ängste und Unsicherheiten zu kanalisieren und sich in kreativer Art und Weise davon zu lösen.

„Beherzt ist nicht, wer keine Angst kennt, beherzt ist, wer die Angst kennt und sie überwindet.“

Khalil Gibran

Der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers beschreibt die Angst als „ein häufiges und qualvolles Gefühl. Die Furcht ist auf etwas gerichtet, Angst ist gegenstandslos.“ Diese an sich beunruhigende Gegenstandslosigkeit federn wir ab, indem wir dem Betroffenen etwas – im wahrsten Sinne des Wortes – in die Hand geben. Einen Handschmeichler, einen Fidget-Spinner – der nächsten Generation, wenn man so will. Das bewusste lange Ausatmen aktiviert das ÄNX-device und hilft den Betroffenen gleichzeitig einen entspannten Atemrhythmus wiederzufinden. Denn häufig geht Angst mit körperlichen Symptomen einher, die belastend und körperlich zehrend sind.

Das bewusste oder auch unbewusste Spiel mit dem Gerät schafft im virtuellen Hintergrund eine einzigartige 3D Skulptur aus Farben, Formen, Strukturen und Lichtern. Jede Skulptur ist dabei so einzigartig wie ihr Erschaffer und seine Gefühle in dem Moment.

Lässt der Stress nach bzw. ebbt die Angst ab, kann der Teilnehmer der ÄNX-community sich auf beliebigen digitalen Endgeräten seine Skulptur anschauen. Statt also betreten ob der befristeten Attacke, seinem Alltag wieder nachzugehen, hält ÄNX ihn oder sie dazu an, noch kurz im Moment zu verweilen und zu sehen, was er geschaffen hat: Eine Skulptur seines aufgewühlten Geistes.

Danach liegt es am User, ob er sein Werk an Ort und Stelle löscht oder – von uns – bevorzugt in die Augmented Reality entlässt, wo andere sie finden, sehen und darüber mit dem Erschaffer in Kontakt treten können. Als Teil der Änx-community ist man mit seinen Sorgen nämlich nicht allein, sondern findet Artefakte im gesamten urbanen Raum. Eben dort, wo Büromenschen sich den Kopf zerbrechen und Stress empfinden, aber gleichzeitig aufgeschlossen gegenüber elektronischen Helfern sind.

 

Aktuell ist das Konzept noch nicht mehr als intellektuelles Stretching und viel Adobe Zauber. Allerdings findet die Idee bei vielen Kollegen und Freunden des Hauses Anklang, so dass es sich vielleicht lohnt, weiter darüber nachzudenken und auch mal mit Experten zum Thema Ängste und Angststörungen sowie Betroffenen zu sprechen. Wir wären konzeptionell soweit…

Bis dahin freuen wir uns aber auch über Ihr Feedback als Leser des Artikels: Welche Aspekte müssten wir noch trennschärfer herausarbeiten? Was sind Eure persönlichen Strategien im Umgang mit Stress und Angst? Ist es angemessen, psychischer und emotionaler Belastung mit Technik entgegenzutreten? Ach, wir haben noch viel mehr Fragen als Antworten und freuen uns dementsprechend auf den Diskurs mit Euch!

Unser Projekt ÄNX wurde auch hier veröffentlicht: 1E9

Jan Meissner

Industrial Design & UX

Jan, senior industrial designer with background in architecture, medical design and digital experience, always has a strong desire for the virtual reality since its first wave in the early nineties. Besides designing products to improve our daily life, he enjoys to answer questions like, how to automate skyscraper-deconstruction in megacities and drafting strategies to prevent locust swarms in the equator zone.

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