Thinking

September 19, 2018

Angst vs. Optimismus: Digitalisierung und KI in 2 Welten

Der Gap zwischen Expertenwissen und Massendenken erscheint mir nirgendwo größer als beim Thema Künstliche Intelligenz. Während die einen sich mit Begeisterung auf neue Möglichkeiten stürzen, malen sich die anderen Horrorszenarien aus. Wann bitte bekommt die breite Masse die Chance zum Digitalisierungsoptimismus?

Donnerstag, 9 Uhr. Ich sitze im Vortragssaal von Kampnagel, besuche die Digitalisierungsmesse solutions.hamburg und höre eine sehr mitreißende Eröffnungsrede von Dr. Carsten Brosda, Senator der Stadt Hamburg für Kultur und Medien. Er spricht über KI und Automatisierung und widmet sich vor allem dem Thema Menschlichkeit. Erwähnt die Angst, die viele Leute im Angesicht der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung haben. Und appelliert flammend dafür, dass wir dieser Angst mit Optimismus begegnen. Mit Lust am Neuen, an der Veränderung. Er stellt die Emotionen in den Vordergrund, hebt den Bezug zur Kultur hervor (spannend auch, dass in Hamburg die Digitalisierung an das Ressort des Kultur- und Mediensenators geknüpft ist) und spricht über Mut. Vor einem Fachpublikum bestehend aus ein paar hundert IT-Experten und Industriepartnern.

3 Tage später. Sonntag, 20.15 Uhr. Bei mir zu Hause läuft der TATORT.Und ich schaue mir an, wie ein Roboter der dieswöchige Mörder ist. Sehe düstere Visionen, einen genervten, beinahe aggressiven und cholerischen Kommissar, der über Maschinen und die Zukunft der Menschheit unkt. Ein Roboter tötet. Und es wird deutlich, dass die Möglichkeiten der Strafverfolgung den neuen Technologien noch hinterherhinken. Diese Botschaft geht an ein Viertel der TV-Zuschauer, genauer gesagt an 8,1 Millionen Menschen. Nicht vom Fach, sondern eher ‚Gott und die Welt’.

Wie kommt der Mut, die notwendige Offenheit für eine Veränderung, die das Gros noch nicht einschätzen kann, also an die Menschheit? Was können die Experten vom Fach dazu beitragen, dass KI ‚draußen’ wegkommt von einem Science-Fiction-Image und hin zu einer realistischen Betrachtung? Also gesehen wird als eine neue industrielle Revolution und nicht als schwarzes Szenario, das über uns allen schwebt.

Im Falle des Tatorts hat das Volksblatt BILD eingegriffen und gleich am Tag darauf Philipp Thesen, Professor für das Fachgebiet Mensch-System-Interaktion im Industriedesign interviewt und ‚den Mörder’ relativieren lassen. Und das Gespräch gleich so gekürzt, dass der Artikel die Angst fast eher schürt...
So oder so reicht es aber eh nicht. Denn den Menschen geht es nicht allein um Totschlag und den Verlust ihrer Arbeitsplätze, sondern es ist das große Unbekannte, das da droht. Wir neigen eben dazu, uns vor dem zu fürchten, was wir nicht kennen. Das heißt: Aufklärung muss her! Nur wie?

Wenn die Politik sich aufs Fachpublikum konzentriert und die Medien sich am Grusel bedienen, sind in meinen Augen diejenigen gefragt, die der Masse längst voraus sind. Die, die seit Jahren täglich mit und an KI arbeiten. Die längst eingetaucht sind in das Thema. Die mitentwickeln, beraten und auf andere treffen, die nochmal mehr wissen. Die selber Vorträge zum Thema halten, die an dem mitgestalten, was passieren wird.

Mein Fachgebiet ist die Öffentlichkeitsarbeit, fürs tiefe Eintauchen „in die KI“ sind bei INDEED andere zuständig. Ich brauche also Eure Unterstützung, liebe Kollegen! Ihr seid die Designer, Ingenieure, Innovation-Manager, Business-Strategen und Creative Interaction Technologists: Was können wir tun, um die Menschen ins Boot zu holen? Wie können wir Angst nehmen undZuversicht entwickeln und digitale Innovationen damit wirklich ‚menschlicher’ machen? Ich bin gespannt auf Euren Input und zukunftsweisende Antworten!

 

To be continued…

Nachtrag Dezember 2018:

Die Blogserie ist abgeschlossen hier geht es zur ersten pragmatischen Antwort von Stefanie, gefolgt von Minjoo, die sich aus der Sicht einer Creative Coderin näherte und Tommaso. Karel plädiert in seinem Beitrag für eine Gemeinschaftsleistung, um Optimismus zu verbreiten, während Heiko im Interview auf die Verantwortung der Kreativen eingeht und auf frühkindliche Prägung – in gewissem Sinne – setzt. Michael bildet den Abschluss mit seinem Plädoyer für "Selbstlernende Idioten".

Andrea Vorm Walde DE

PR and Communications

Andrea kümmert sich um unsere PR und zeigt gerne, wie innovativ und vielseitig Indeed ist. Eigentlich ist sie zuständig für die Worte – trotzdem lässt sie uns hier meistens den Vortritt, weil wir als Designer und Entwickler in unserem Blog ganz authentisch berichten wollen. Und das können wir am besten selber.

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