Thinking

November 2, 2018

Angst versus Optimismus (Teil 4)

Während Andrea weiter auf der Suche nach einem Mittel gegen die weit verbreitete Angst vor KI ist und mehr Optimismus verbreiten will, meldet sich heute Karel zu diesem Thema zu Wort.

Angst ist gut. Angst ist substantiell für unser Überleben und war schon immer der Schlüssel für menschliche Evolution. Und Angst ist unbedingt notwendig, um Kreativität zu entzünden. Denn sie sorgt auch für den Mut, den wir für alles Neue und Unbekannte benötigen.

Aber seien wir nicht naiv. Die Blogs (so wie dieser leider auch), die mediale Berichterstattung, die Bücher und Konferenzen über KI werde vom größten Teil der Menschheit nicht gelesen oder zur Kenntnis genommen. Ich nenne sie „die anderen 70 Prozent“.

Egal ob jemand denkt, KI sei nur eine neue Technologie, die wir schon meistern werden, oder aber, wir seien durch sie nur einen winzigen Schritt davon entfernt, Götter zu schaffen, die uns alle beherrschen werden: Um Optimismus zu entwickeln, müssen wir diese anderen 70 % mit ins Boot holen. Und das muss top down und bottom up passieren!

Biotechnologie und Nukleartechnik zum Beispiel werden von höchster Regierungsebene kontrolliert und reguliert. Eben weil ihr Einfluss auf die Gesellschaft riesig ist, schafft die Regierung Standards – beispielsweise ethische und auch gesetzliche – um die Bürger zu schützen. Auch wenn es lange dauert, bis Gesetze durchgewunken sind, gehören sie doch zu den mächtigsten Werkzeugen, um eine Gesellschaft zu gestalten und zu formen. Wir brauchen diese Standards auch für KI. Und mindestens so spezifisch und weitreichend wie für die beiden vorgenannten Technologien, wahrscheinlich sogar umfassender. Dieser Verantwortung müssen die derzeitigen Politiker und Staatsführer nachkommen – aktiv von der Spitze bis in die untersten Reihen und das schnell.

Aber wie holen wir nun die anderen, die breite Masse ins Boot?

Nun, was wäre, wenn Unternehmen, ganz egal ob klein, familiengeführt oder auch Konzerne in ihrem Streben nach digitaler Transformation jeden einzelnen Mitarbeiter der Künstlichen Intelligenz aussetzen würden? Sie an KI-getriebenen Projekten arbeiten lassen, sie also so mit Erfahrungen und Wissen aus erster Hand ausstatten? Wäre das nicht der effektivste und schnellste Weg, die bürgerliche Diskussion über KI zu schüren? Basierend auf eigenen Erfahrungen und nicht auf Fake News!

Ganz sicher werden einige Menschen auch dann noch Angst vor KI bekommen oder behalten. Und so die Suche nach dem Neuen und dem, was als Nächstes kommen wird, weiter aufrechterhalten.

Hiermit fing es an: Digitalisierung und KI in 2 Welten.

Mittlerweile erschienen sind die Antworten von Minjoo, Steffi und demnächst folgt Heiko.

Karel J. Golta

Managing Director

Karel, CEO and founder of INDEED, is Swiss but far from being neutral. When he's not planning "the next big thing" with clients, you can controversially discuss with him the value of design. And above all, how design preserves humanity in the age of AI and automation.

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