Thinking

October 24, 2018

Angst versus Optimismus (Teil 3)

In meinem Artikel ‚Digitalisierung und KI in 2 Welten’ hatte ich neulich gefragt, wie wir wohl die breite Masse von der Angst befreien und Optimismus verbreiten können. Nach Steffi hat sich auch Minjoo umfänglich Gedanken gemacht und diese zu Papier gebracht.

Da sie als Creative Technologist bis zu beiden Ohren im Thema steckt, bin ich besonders gespannt darauf, wie sie über meine Frage denkt. Ihre Antwort lautet kurzgefasst „Angst überwinden durch Wissen“. Hier im Detail:

„Die philosophische Debatte im Jahr 1991, in der argumentiert wurde, dass der Golfkrieg nicht stattgefunden habe, war ein Meilenstein in der modernen Geistesgeschichte. Jean Baudrillard stellte fest: “The Gulf War on CNN and other media is merely a “simulacra” symbols, and it has nothing to do with the actual war in Iraq." Mit anderen Worten, das Bild, das durch das Sammeln der Symbole entsteht, entfernt sich allmählich von der Realität und das Bild schafft die Welt der "Hyperrealität", die die Realität ersetzt. Daher können wir nicht genau sagen, was im Irak passiert ist bzw. nicht geschehen ist. Baudrillards Behauptung war, dass die Macht der Redaktion und Interpretation der Medien unsere Realität erschafft. Baudrillard bemüht selbst McLuhan Ausspruch "media is a message/media is a massage“.

Wie Andrea in ihrem früheren Post erwähnt hat, ist der Einfluss der Medien heutzutage so stark, dass sie manchmal die Realität überschatten und die Öffentlichkeit leicht dazu verleitet ist, eine "falsche (oder zumindest: nicht auf Fakten basierte) Meinung" zu konstruieren.

Ein von einigen Studenten des Oxford Internet Institute durchgeführtes Experiment zeigt ein interessantes Ergebnis: Im Dezember 2017 baten sie Teilnehmer, sich verschiedene Science-Fiction-Filme über KI anzuschauen und später ihre Meinung zum Internet, ihre Erfahrung mit KI und ihre Bereitschaft, spezifische Aufgaben im Alltag zu automatisieren, zu teilen.

Überraschenderweise polarisierte die Einstellung der Teilnehmer unabhängig von der Art des Filmes (utopisch oder dystopisch). Die Optimisten waren immer mehr daran interessiert, KI in ihr tägliches Leben zu integrieren, während Skeptiker gegenüber KI-Technologien besser geschützt werden wollten. Mit anderen Worten, sie nehmen nur für sie relevante Informationen über AI auf, wobei relevant ist, was ihre vordefinierten Einstellungen unterstützt. Dies deutet darauf hin, dass wir eine stärkere Polarisierung der Meinungen erleben könnten, da die Menschen mehr Medienquellen ausgesetzt sind.

Den Hauptgrund für die Angst vor KI sehe ich in der Komplexität der KI-Technologie (oder des Machine Learning). In der Medienflut, die das Aufkommen von Singularitätspunkten ankündigt und KI als Bedrohung menschlicher Arbeitsplätze stilisiert, ist es leicht, Angst zu entwickeln. Es liegt in der menschlichen Natur, dem zu misstrauen, was man nicht versteht.

Was könnten dann die erforderlichen Maßnahmen sein, um den Menschen eine ausgewogene Sicht auf KI zu geben?

KI-verursachte Dummheit reduziert öffentliche Angst

Die meisten aktuellen Medienberichte über AI konzentrieren sich stark darauf, den technischen Fortschritt in diesem Bereich zu zeigen. Die wenigsten Berichte zeigen die Fehler, die Maschinen machen. Wenn Sie im Technologiebereich zuhause wären, wüssten Sie, was ich meine. Die Medien nehmen die "besten Momente" aus der Vielzahl der Demonstrationsversuche (obwohl die meisten von ihnen möglicherweise nicht richtig funktionieren).

Vor ein paar Monaten bin ich auf dieses Video gestoßen, in dem alle möglichen lustigen Fehler gesammelt sind, die Roboter machen. Das Video zeigt ‚Behind-the-scenes’, die die ausgestrahlten Einstellungen mit ihren perfekten Vorführungen nicht enthalten:

Die Roboter machen ständig Fehler, und es beschleicht einen das Gefühl, dass sie (die meisten von ihnen haben nur bewegliche Arme ohne Gesicht) süß und freundlich, aber auch tollpatschige Gesellen sind.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern des Zentrums für Mensch-Computer-Interaktion mehrerer Universitäten in Europa behauptete tatsächlich, dass sie den Beweis gefunden hätten, dass Menschen eher Roboter bevorzugen, wenn sie sich ungeschickt verhalten und regelmäßig Fehler machen – indem sie also menschenähnlichere Wesensmerkmale zeigen. In ihren Forschungen, die in der Zeitschrift ‚Frontiers in Robotics und AI’ veröffentlicht wurden, zeigt sich, dass Menschen von fehlerfreien Robotern nicht überzeugt sind und Makellosigkeit eher abschreckt.

In diesem Sinne sollten die Forscher oder KI-Enthusiasten mehr Inhalte einschließlich nicht erfolgreicher Demonstrationen veröffentlichen, damit mehr Menschen ihre angeborene Angst verlieren und sich den ungeschickten Robotern um uns herum näher fühlen.

Erstelle verständliche KI

Um Vertrauen in das KI-System aufzubauen, sollten zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, um die Alphabetisierung der nicht algorithmisch gebildeten Individuen zu verbessern. Bloombergs aktueller Bericht betont, dass verständliche KI die Domäne von UI/UX-Designern und Produktentwicklern in Zusammenarbeit mit KI-Ingenieuren und Datenwissenschaftlern ist. Natürlich sollten KI-getriebene Lösungen die "User-First" -Prinzipien einbetten.

Eine verständliche KI lädt auch dazu ein, am Entscheidungsprozess beteiligt zu sein. Wie Daten gesammelt werden und KI zu der bestimmten Entscheidung gelangt, sollte explizit erläutert werden. Eine Gruppe von Forschern, die kürzlich herausgefunden hat, wie sie den Leuten die Kontrolle über Algorithmen geben kann, kann helfen, Vertrauen in KI-Vorhersagen aufzubauen. (Hier mehr dazu.)

Erhöht den Inhalt der KI-Technologie

Viele Vorträge, die sich mit KI beschäftigen, sind für die Öffentlichkeit zugänglich, werden aber immer noch von KI-Technikern oder einem sehr speziellen Publikum mit Interesse an KI (KI-Enthusiasten) dominiert. Um die immer größer werdende Diskrepanz zwischen der allgemeinen Öffentlichkeit und dem Verständnis von KI durch Spezialisten zu füllen, sollten Terminologien oder Theorien, die hinter der künstlichen Intelligenz stehen, zu einfachen Worten uminterpretiert oder mit lebensnahen Beispielen kombiniert werden.

Youtuber Siraj Raval ist einer der Pioniere in diesem Bereich, der mit seinem Kanal viel Spaß mit KI-bezogenen Inhalten schafft. Er erstellt nicht nur unterhaltsame KI-Inhalte, die in verständlichen Worten beschrieben sind, sondern stellt auch KI in verschiedenen Anwendungen vor.

Aber das ist nur meine Meinung zum Thema. Gerne würde ich mehr Meinungen von unseren Kollegen hören!“

Und das wird Minjoo auch, denn ich bekomme schon mit, wie sich der eine oder andere gerade Gedanken dazu macht. Ob tollpatschige Roboter mich persönlich oder die Mehrheit positiv stimmen werden, fällt mir gerade schwer zu entscheiden – mir machen sie fast eher Sorgen... Aber ich werde der Frage im Gespräch mit Heiko nachgehen, der sich zu einem baldigen Interview bereit erklärt hat.

Und bis dahin gibt es noch ein paar Quellenangaben von Minjoo für Euch:

http://www.futurekorea.co.kr/news/articleView.html?idxno=23105
https://www.oii.ox.ac.uk/blog/ai-trust-and-ai-fears-a-media-debate-that-could-divide-society/
https://internetofbusiness.com/scientists-humans-awkward-robots/

https://www.bloomberg.com/professional/blog/explainability-enough-need-understandable-ai/

Andrea Vorm Walde DE

PR and Communications

Andrea kümmert sich um unsere PR und zeigt gerne, wie innovativ und vielseitig Indeed ist. Eigentlich ist sie zuständig für die Worte – trotzdem lässt sie uns hier meistens den Vortritt, weil wir als Designer und Entwickler in unserem Blog ganz authentisch berichten wollen. Und das können wir am besten selber.

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