Thinking

October 18, 2018

Angst versus Optimismus (Teil 2)

Wie in meinem Artikel ‚Digitalisierung und KI in 2 Welten’ deutlich wurde, will ich Angst gegen Optimismus tauschen. Von meinen Kollegen wollte ich daher gerne wissen, was ihnen dazu einfällt. Verlass ist auf Stefanie, die mir ihre Gedanken gleich als Erste aufgeschrieben hat: „Ein neues Zeitalter der Aufklärung“

„Ich glaube, als Erstes ist festzuhalten, dass die Angst völlig normal ist. Schauen wir zurück auf Einführungen früherer neuer Techniken, kommt uns vieles bekannt vor:
Filmvorführungen waren zu Beginn eine Kuriosität und die ersten Fotografien standen im Verdacht die Seele eines Menschen einzufangen. (Anm. der Redaktion: Dieser Glaube ist in Kulturkreisen, die ohne viel Technik leben, bis immer noch verbreitet. Der Fotoapparat eines Touristen am falschen Ort kann nicht minder Furcht auslösen als es die realitätsfremden Ideen von KI bei unwissenden Bewohnern von Industrieländern tun.)

In der Frühzeit der Industrialisierung begannen die ersten Formatkriege – Edison und Westinghouse lieferten sich erbitterte Schlachten um das bessere Stromsystem mit teils abstrusen Episoden und Demonstrationen, um die Menschheit zu überzeugen. Dieselben Mechanismen, Ängste und auch Faszination sehen wir heute beim Umgang mit Robotern wie Sophia oder Sprachassistenten wie Alexa und Siri.

Irgendwo zwischen Muppet Show und Terminator-Panik machen wir uns mit Teilen der künstlichen Intelligenz vertraut. Spannend ist dabei, dass wir der Google-Bilderkennung, unseren Bremsassistenten oder der Fraud-Detection unserer Kreditkarte bereits vertrauen, ohne in Weltuntergangspanik auszubrechen. (Anm. der Redaktion: Vielleicht auch, weil wir komplett verdrängen, dass auch dort künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt...)

Ich glaube, dass die Mehrheit der Bevölkerung bereits jetzt zu Algorithmen, Maschinenlernen oder Robotik dasselbe magische Verhältnis hat wie zum Strom in der Steckdose. Kaum einer weiß, wie er da genau hinkommt oder was dafür von Nöten ist, aber wir haben gelernt, ihn zu nutzen und unseren Vorteil daraus zu ziehen, statt weiterhin bei Kerzenlicht zu sitzen. Das ist vorrangig Pragmatismus, aber der paart sich auch gerne mit Optimismus. Die Angst kommt eigentlich nur auf, wenn wir keinen Nutzen für uns sehen oder uns das Gefühl beschleicht, wir könnten übervorteilt werden. Dann geht es uns wie den Weberinnen bei der Entdeckung der Dampfmaschine, den Pferden bei der Entwicklung des Autos oder den Kerzenmachern bei der Erfindung des elektrischen Lichts.

Mehr Optimismus kann man meines Erachtens also nur entzünden, indem man den praktischen Nutzen von KI zeigt und proaktiv Schwachstellen benennt. Statt mit Horrorszenarien wie im von Andrea genannten Tatort die Angst weiter zu befeuern, gilt es aufzuklären. Wir müssen das Äquivalent zu „Nicht mit der Gabel im Toaster rumstochern, sonst gibt es einen Stromschlag“ für Künstliche Intelligenz finden und das geht nur im Gespräch.

Im Gespräch von Fachleuten mit ihren Familien, von Interessierten mit Unbeteiligten, von Institutionen mit den Bürgern. Konkret kann das ein Vortrag an der Hochschule sein, wie die Kollegen und ich es ab und zu machen. Heiko zum Beispiel hat kürzlich bei einem Dialog an der FH Münster über ‚AC/DC’ gesprochen und nachfolgend die Fragen der Studenten beantwortet.

Auch unsere Kaminabende (jüngst veranstaltet unter dem Titel ‚Ein Toast auf die Kunst der Künstlichen Intelligenz’) erreichen den einen oder anderen, der noch nicht ganz so tief im Thema steckt und danach einen neuen oder erweiterten Blickwinkel einnimmt wie zum Beispiel Sven-Olaf von crowdmedia.

Für noch mehr Menschen zugänglich und ebenfalls eine großartige Gelegenheit schwerverdauliche Inhalte mundgerecht aufzubereiten,  sind Arbeiten wie http://www.r2d3.us/visual-intro-to-machine-learning-part-1. Anschaulichkeit ist wichtig, um Angst zu nehmen und falsche Vorstellungen sich gar nicht erst verfestigen zu lassen.

Es ist ein wenig wie bei jedem Change-Management-Prozess: Nachdem das Problem bekannt ist, kann man am Verstehen und an den Lösungen arbeiten, um dann die notwendigen Schritte zu ergreifen. Das läuft dann vielleicht trotzdem nicht alles rund,
aber ¯\_(ツ)_/“


Okay, Pragmatismus ist eine Option, sich den Herausforderungen zu stellen – und genau diesen schätze ich auch an Steffi, die sich sonst eher den Kopf darüber zerbricht, wie sie Indeed selbst weiter vorantreibt.

Auch die nächste Antwort wird spannend, denn die kommt von Minjoo Cho, ihres Zeichens Schöngeist und kreatives Technikwunder bei Indeed (erscheint demnächst).

Andrea Vorm Walde DE

PR and Communications

Andrea kümmert sich um unsere PR und zeigt gerne, wie innovativ und vielseitig Indeed ist. Eigentlich ist sie zuständig für die Worte – trotzdem lässt sie uns hier meistens den Vortritt, weil wir als Designer und Entwickler in unserem Blog ganz authentisch berichten wollen. Und das können wir am besten selber.

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